5. November 1688 - Wilhelm III. von Oranien landet in England

Wilhelm von Oranien, Porträt-Gemälde von Anthonis Mor

Stichtag

5. November 1688 - Wilhelm III. von Oranien landet in England

Wilhelm III. von Oranien will die englische Krone. "Ich komme nicht um meines eigenen Ruhmes willen. Mein einziges Ziel ist es, für Gottes Ehre, das Vaterland und den Glauben zu streiten!", schreibt er. 400 Schiffe, 11.000 Fußsoldaten und 4.000 Reiter hat er im Gepäck, als er am 5. November 1688 übersetzt. Kommt er als Retter oder als Eroberer? "Die Beantwortung hängt ab von der Frage, wie man die Monarchie beurteilt. Sieht man das monarchische Konzept streng erbrechtlich, dann war er ein Usurpator, denn es gab einen Erben, der in der Thronfolge deutlich vor ihm stand", erklärt der Kieler Historiker Olaf Mörke.

In England regiert Jakob II., der Schwiegervater Wilhelms. Wilhelm hätte einfach warten können, bis seine Frau Maria die Krone erbt. Doch dann bekommt die englische Königin ganz unerwartet noch einen Sohn. "There must be no more time lost – keine Zeit sei zu verlieren", schreiben die sogenannten Immortal Seven, die unsterblichen Sieben. Es sind Parlamentsabgeordnete, die Jakob II. loswerden wollen, wie die meisten Engländer. Denn er ist nicht nur Katholik, sondern setzt sich regelmäßig über die Rechte des Parlaments hinweg. All das haben die Engländer 50 Jahre zuvor schon einmal erlebt. Damals haben sie ihren König hingerichtet. Jetzt gehen sie einen anderen Weg: Sie bitten den Schwiegersohn Wilhelm um Hilfe.

Unbarmherziges Feuer in gebrechlicher Hülle

"Wilhelm III. von Oranien ist ein Arbeitstier. Er erledigt ein immenses Pensum an Arbeit, politisch, militärisch. Er ist sehr macht- und familienbewusst und handhabt die Instrumente politischer Einflussnahme meisterhaft", sagt der Historiker Olaf Mörke. Und der britische Premierminister Winston Churchill schrieb einmal über ihn: "Sein Leben war liebeleer ... seine Kindheit ... unglücklich und seine Gesundheit schlecht. Er hatte eine tuberkulöse Lunge, war asthmatisch und ein wenig verwachsen. Aber in dieser ausgezehrten und gebrechlichen Hülle brannte ein unbarmherziges Feuer."

Jakob II. flüchtet vor Wilhelms militärischer Übermacht ins französische Exil - die Parlamentarier werten dies als Abdankung. Wenige Monate nach der Landung von Wilhelm und seiner Frau Maria - der protestantischen Tochter Jakobs - kommt es in der Westminster Abbey zu einer spektakulären Doppelkrönung. "Nach der Predigt leisteten Ihre Majestäten den neu festgelegten Eid ... und dann bestiegen Ihre Majestäten Ihre Throne", berichtet ein Zeitgenosse. Die Parlamentarier nutzen die Gunst der Stunde. Sie legen den Königen einen ganz besonderen Eid vor.

Der Eid auf das Parlamentsgesetz

"Die Könige müssen einen Eid auf ein Parlamentsgesetz leisten. Das ist etwas Neues", sagt Mörke. Im Oktober 1689 werden diese Rechte als Bill of Rights bestätigt, als klassische Parlamentsrechte, die bis auf den heutigen Tag Gültigkeit haben. Die wesentlichen Punkte lauten: Das Parlament darf sich selbst einberufen, es entscheidet mit über Krieg und Frieden, es bewilligt Steuern und legt die Größe des Heeres in Friedenszeiten fest. Außerdem genießen Parlamentarier Immunität. Die Bill of Rights setzt den Schlusspunkt unter die aufregende Zeit der "Glorious Revolution", der Glorreichen Revolution. So nennen die Engländer diese Phase zwischen Wilhelms Landung am 5. November 1688 und der Unterzeichnung der Bill of Rights.

Und obwohl Wilhelm III. von Oranien zu den Schlüsselfiguren englischer Geschichte zählt, ist die Erinnerung an ihn verblasst. "In England steht man ihm ambivalent gegenüber, wie auch der Monarchie im Allgemeinen", sagt Mörke.

Stand: 05.11.2013

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