19. August 1743 - Marie-Jeanne Gräfin du Barry wird geboren

Marie Jeanne Gräfin Dubarry (Mätresse Ludwig XV.)

Stichtag

19. August 1743 - Marie-Jeanne Gräfin du Barry wird geboren

"Sie ist wohlgestalt, von hohem Wuchs und einem bezaubernden Blond", schreibt der Diplomat und Schriftsteller Charles Joseph Fürst de Ligne beim Anblick der Gräfin du Barry, Mätresse des Königs Ludwig XV. "Sie hat ... schöne Augen, … ein ovales Gesicht mit kleinen Grübchen in den Wangen, die sie aufreizend machen wie keine andere; der Mund ist stets zum Lachen bereit, die Haut zart, ihre Brust übertrifft die aller anderen und legt ihnen nahe, einen Vergleich zu meiden."

Gefälschte Geburtsurkunde und vorgetäuschte Heirat

Marie-Jeanne Gräfin du Barry ist ein ungewöhnlicher Aufstieg gelungen: Am 19. August 1743 wird sie als uneheliche Tochter einer Wäscherin geboren, erhält allerdings eine Klosterschulausbildung. "Sie muss intelligent genug gewesen sein, um sich als Außenseiterin im Hofsystem nicht vollkommen zu blamieren", sagt Leonhard Horowski, Historiker.

Eingefädelt wird die märchenhafte Karriere der Wäscherstochter Marie-Jeanne Bécu von dem verheirateten Grafen Jean-Baptiste du Barry, ihrem Beschützer und Ausbilder in Liebesdingen. Um sich Ansehen und Geld zu verschaffen, vermietet er sie an adelige oder vermögende Männer. Bald präsentiert er sie im Schloss von Versailles, wo ihr der gealterte König Ludwig XV. verfällt. Mit gefälschter Geburtsurkunde und einer vorgetäuschten Heirat mit dem Bruder des Grafen du Barry wird sie gesellschaftlich legitimiert. Und so kann der König im April 1769 die 25-jährige Gräfin du Barry endlich offiziell am Hof von Versailles einführen: als seine neue Favoritin, seine "maîtresse en titre" und eine Nachfolgerin der verstorbenen Madame de Pompadour. In dieser Funktion ist sie nicht nur für die Liebe zuständig, sondern muss ihm zukünftig das Heer der Bittsteller vom Hals halten.

Mätressen als Blitzableiter und Sündenböcke

"Das führt zum vielleicht wichtigsten Teil der Mätressenrolle: ihrer Blitzableiter- und Sündenbockfunktion. Jeder, der zurück gewiesen wird, ist der Mätresse böse und nicht dem König", erklärt Horowski.

Trotz aller Anfeindungen hält der König zu seiner letzten Mätresse. Selbst seinen mächtigsten Minister schickt er für sie in die Verbannung. Erst auf dem Sterbebett gibt Ludwig XV. aus Angst um sein Seelenheil nach. Der übliche Preis, den die Kirche fordert, ist die Verbannung der Geliebten. "Sie wurde zwei Jahre lang in eine Art Hausarrest ins Kloster geschickt, behielt aber den größeren Teil ihres Vermögens", sagt Horowski. Was nicht wenig war, denn der König hatte die Gräfin du Barry fünf Jahre lang mit Geschenken überhäuft. "Nach seinem Tod besaß sie Juwelen im Wert von zwei Millionen Livres, das ist ein Fünftel des gesamten Staatsdefizits. Sie hatte auf Lebenszeit das Nutzungsrecht auf das königliche Schloss von Louveciennes erhalten und eine Rente von 50.000 Livres im Jahr - was eine gigantische Summe ist", sagt Horowski.

"Ihr guten Bürger, befreit mich, ich bin unschuldig!"

Bis zur Französischen Revolution verbringt die Gräfin du Barry ihre Zeit mit adeligen Liebhabern. Doch dann wird ihr Schloss von Dieben ausgeraubt. Versailles-Forscher Horowski erklärt, sie habe danach mehrfach nach London reisen müssen, weil die Diebe dorthin geflohen waren. "Sie musste im Prozess beweisen, dass die Diamanten ihr gehörten, und wegen der vielen Reisen ist sie später in Verdacht geraten, eine Verschwörung gegen die Revolution zu planen. Das hat sie das Leben gekostet."

Ende 1793, zur Zeit der Schreckensherrschaft, verurteilt das Pariser Revolutionstribunal die 50-jährige Gräfin du Barry zum Tode. "Sie weinte, wie ich noch nie jemanden habe weinen sehen", notiert der Henker Charles Henri Sanson in sein Tagebuch. Kurz vor der Hinrichtung soll sie gerufen haben: "Ihr guten Bürger, befreit mich, ich bin unschuldig! Ich bin eine Frau aus dem Volk wie ihr, gute Bürger, lasst mich nicht sterben!" Der gefälschte Adelstitel wurde der Gräfin du Barry nun zum Verhängnis.

Stand: 19.08.2013

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