14. August 1893 - Verkehrsregeln in Paris eingeführt

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Stichtag

14. August 1893 - Verkehrsregeln in Paris eingeführt

"Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung", soll Kaiser Wilhelm II. einmal gesagt haben. Tatsächlich sehen die ersten Automobile aus wie eine Kutsche ohne Pferd. Carl Benz entwickelt ein Gefährt mit drei Rädern und offenem Verdeck und erhält dafür 1888 in Mannheim eine "Berechtigung zur Durchführung von Versuchsfahrten mit einem Patentmotorwagen". Es ist der erste Führerschein der Geschichte. Doch das Automobil ist am Anfang in Frankreich verbreiteter als in Deutschland. "Die erste Nutzergruppe dieser Hochtechnologie des Autos kam aus dem reichen oder subversiven Bürgertum in Frankreich. Für die französische Bohème war das Fahrzeug hoch faszinierend", sagt der Verkehrshistoriker Professor Kurt Möser vom Karlsruher Institut für Technologie.

Automobilisten werden verprügelt und gelyncht

Grenzen kennen die Autofahrer in Frankreich nicht, keine Verkehrsregeln, keine Ampeln, Zebrastreifen oder Verkehrsschilder. Wer sich traut, setzt sich hinters Steuer und fährt los. Fußgänger und Radfahrer fühlen sich von den motorisierten Wägen herausgefordert. "Es gibt Zeugnisse dafür, dass Bauern Automobilisten vom Auto heruntergezogen und verprügelt haben. Oder jemand in den Dörfern gelyncht wurde, wenn er zum Beispiel ein Kind angefahren hatte", erklärt der Verkehrshistoriker Möser. Auch die Automobilisten hätten aufgerüstet, wehrten sich zum Teil mit Peitschen gegen Radfahrer und Kinder. Für deutsche Beobachter sind erstaunlich viele Frauen unter den französischen Automobilisten. "Paris war parallel zu London einfach die Stadt mit dem dichtesten Verkehr in Europa", so Möser. Auch untereinander herrrschen recht rauhe Sitten unter den Autofahrern, "die einander sogar überholen und Wettfahrten miteinander austragen", schildert Möser.

Einmal um den Block fahren für den Führerschein

1893 greift Louis Lépine ein, neuer Polizeipräsident von Paris. Am 14. August 1893 erlässt Lépine eine neue Anordnung: Von nun an erhält jedes Auto ein Nummernschild, Automobilisten müssen eine Führerscheinprüfung machen und es gibt Orte, an denen nicht geparkt werden darf. "Der Führungsnachweis bestand jedoch einfach darin, dass der Fahrer zum Beispiel einmal um den Block gefahren ist", erklärt Möser. Die ersten Lizenzen stellen Bergbauingenieure aus: Gelehrt wird anfangs vor allem, wie man ein Auto repariert. Bis weit in die 1950er-Jahre ist die Technik wichtiger Bestandteil jeder Führerscheinprüfung.

In Deutschland wird noch vor der Führerscheinpflicht die Haftpflicht eingeführt. Denn wer aus eigener Tasche zahlen muss, verschwindet oft nach einem Unfall. Fahrerflucht ist also die Regel. 1904 öffnet in Aschaffenburg die "Erste deutsche Autolenkerschule". Ab 1909 ist der Führerschein dann im gesamten Deutschen Reich Pflicht.

Stand: 14.08.2013

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