18. Juli 1778: Gründung der Tierärztlichen Hochschule Hannover

Gründung der Tierärztlichen Hochschule Hannover

Stichtag

18. Juli 1778: Gründung der Tierärztlichen Hochschule Hannover

Nicht Hunde sind im 18. Jahrhundert der beste Freund des Menschen, sondern Pferde. "Ein Pferd muss laufen können – vor einer Postkutsche, auf dem Acker und im Krieg", sagt Johann Schäffer, Professor für die Geschichte der Tiermedizin und Leiter des Veterinärmedizinhistorischen Museums an der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Die erste Universität für Tiermedizin beschäftigt sich deswegen zunächst nur mit kranken und verletzten Pferden: Am 18. Juli 1778 wird sie als "Königliche Roßarzney-Schule" in Hannover gegründet. Georg III., König von Großbritannien, Irland und Hannover, schreibt in einer Mitteilung ans Volk: "Durch Vernachlässigung der Roß-Arzney-Wissenschaft, und der daher rührenden Ungeschicklichkeit der gemeinen Kurschmiede in unseren teutschen Landen, wird viel heimlicher Schaden verursachet!"

"Soll ich es prophylaktisch zur Ader lassen?"

Ausgebildete Tierärzte gibt es bis dahin nicht, die Hufschmiede arbeiten nebenbei als Rossarzt. "Der Beruf des Tierarztes entsteht aus dem Hufschmiedehandwerk. Damals werden Pferde alle vier bis sechs Wochen zum Hufschmied gebracht, um sie neu beschlagen zu lassen. Und der Schmied hat dann den Besitzer gefragt: Soll ich es prophylaktisch zur Ader lassen?", erklärt Schäffer. Bis Robert Koch im 19. Jahrhundert die Bakterien entdeckte, glaubte man, Krankheiten bei Mensch und Tier mit Aderlässen heilen zu können. Sie sollten die vier Säfte – gelbe Galle, schwarze Galle, Blut und Schleim – wieder ins Gleichgewicht bringen. "Bei Pferden wurde der Aderlass mit sogenannten Aderlassfleten durchgeführt: Das sind kleine Messer, die an der Halsvene angesetzt werden. Dann wird mit einem kleinen Hämmerchen draufgeschlagen und schon spritzt das Blut heraus", sagt Schäffer.

Georg III. will in seiner "Roßarzney-Schule" aus den Kurschmieden professionelle Heiler machen. Wie in der Humanmedizin an Leichen, wird in der Tiermedizin an toten Tieren geübt. Und obwohl der Umgang mit Kadavern als unrühmlicher Beruf gilt, melden sich für den ersten Jahrgang 26 Schüler, einige können nicht einmal lesen und schreiben.

Mensch steht im Mittelpunkt

Nach und nach wird der Fächerkanon erweitert, zum Beispiel 1814 um die Fächer Rinderheilkunde, Botanik, Tierseuchen, naturwissenschaftliche Physik und Chemie. Heute werden zwei Drittel aller Tiermediziner in Deutschland an der Tierärztlichen Hochschule Hannover ausgebildet. Führend ist sie im Bereich der Zoonoseforschung, also Infektionskrankheiten, die vom Tier auf den Menschen und vom Menschen auf das Tier übertragen werden. Getreu dem Wahlspruch "Im Dienst für Mensch und Tier" steht bei aller Forschung der Mensch im Mittelpunkt. "Wir haben uns bei unserem Wahlspruch bewusst für diese Reihenfolge entschieden. Natürlich ist die Gesundheit des Tieres wichtig – aber sie ist vor allen Dingen für den Menschen wichtig, der diese Tiere hält und mit ihnen lebt", sagt Hochschulpräsident Gerhard Greif.

Stand: 18.07.2013

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