10. Juni 1903 – Geburtstag des Schauspielers Theo Lingen

Geburtstag Theo Lingen

Stichtag

10. Juni 1903 – Geburtstag des Schauspielers Theo Lingen

Vielen Nationalsozialisten gefällt Theo Lingens Nase nicht. Es sei bekannt, heißt es in einem Beschwerdebrief an Heinrich Himmlers Reichssicherheitshauptamt, dass der Schauspieler "ausgesprochen rassefremd, vielleicht sogar jüdisch" aussehe: Ein Mime mit derart "unglücklichem Aussehen" dürfe nicht von Kinoplakaten herunterstrahlen. Trotzdem wird Lingen von Adolf Hitler zum "unverzichtbaren Künstler des Regimes" erklärt.

Auf dem Weg zum ernsten Fach

Geboren wird Lingen am 10. Juni 1903 als Franz Theodor Schmitz in Hannover. Seine Leidenschaft für die Schauspielerei entdeckt er, sehr zum Leidwesen seines aus Lingen stammenden Vaters, während einer Schulaufführung: Die Wahl seines Künstlernamens ist wohl auch als Kampfansage an dessen Adresse zu verstehen.

Zunächst sieht bei Lingen alles nach einer Karriere als ernsthafter Schauspieler aus. 1929 spielt er in Frankfurt am Main in Shakespeares "Macbeth" und in der Berliner Ur-Inszenierung von Bertolt Brechts "Dreigroschenoper" – und das, obwohl sich die Sängerin Marianne Zoff zwei Jahre zuvor wegen ihm von Brecht getrennt und Lingen 1928 geheiratet hatte. Danach brilliert er unter Fritz Lang in den Klassikern "M" (1931) und "Das Testament des Dr. Mabuse" (1933). Tatsächlich aber fällt es dem schlaksigen Schauspieler mit den großen Ohren schwer, sich dauerhaft im Charakterfach zu etablierten.

Nahtlose Komikerkarriere

Lingen macht aus der Not eine Tugend und wechselt ins Humorfach. Mit akkuratem Mittelscheitel und einstudierter näselnder Stimme besetzt er nunmehr immer öfter die Rolle des übertrieben affektierten, steifen und unfreiwillig komischen Partners von Kollegen wie Heinz Rühmann oder Hans Moser. Durch seine Beliebtheit im Nationalsozialismus kann er seine Frau, die jüdischer Herkunft ist, ebenso retten wie deren Mutter und ihre Tochter aus der Ehe mit Bertolt Brecht.

Die Karriere als harmloser Komiker macht es Lingen nach dem Zweiten Weltkrieg möglich, nahtlos an die Zeit davor anzuknüpfen: Auch im Nachkriegsdeutschland avanciert er mit Klamauk zu einem der beliebtesten Schauspieler seiner Zeit, arbeitet aber auch als Regisseur, Buchautor und Sänger. Entsprechend fühlt er sich im seichten Kino der 1950er- und 1960er-Jahre verschlissen – "Limonadenfilme" nennt er Produktionen wie "Der Theodor im Fußballtor" (1950), "Almenrausch und Edelweiß" (1957) oder "Die Lümmel von der ersten Bank" (1968), die ihn auf die immergleichen Rollen reduzieren. Am Ende werden es insgesamt über 200 Filme sein.

Theo Lingen stirbt 1978 in Wien.

Stand: 10.06.2013

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