7. Juni 1993 Gründung des "Great Ape Project"

Schimpansen in natürlicher Umgebung

Stichtag

7. Juni 1993 Gründung des "Great Ape Project"

"Ich sage den Menschen immer: Hört auf euer Innerstes. Wenn wir Menschenaffen sehen, ihre Gesten, die Art, wie sie mit Freunden umgehen, wie sie Probleme lösen, spüren wir einfach, dass wir sie wie unseresgleichen behandeln sollten. Denn was wir da sehen, ist unsere eigene Spezies im Körper einer anderen." Große Menschenaffen wie Schimpansen, Gorillas oder Orang-Utans seien uns laut der italienischen Philosophin Paola Cavalieri so ähnlich, dass ihnen bestimmte menschliche Grundrechte zustünden: das Recht auf Leben, der Schutz auf Freiheit und das Verbot von Folter. Deswegen hat sie mit ihrem australischen Kollegen Peter Singer 1993 die internationale Organisation "The Great Ape Project" gegründet, das "Menschenaffen-Projekt". Eine Gruppe von über 30 Wissenschaftlern unterstützt die Kampagne, darunter die Schimpansen-Forscherin Jane Goodall und der britische Zoologe Richard Dawkins.

"Ziel des Great Ape Project ist es, das Prinzip grundlegender ethischer Gleichstellung erstmals über die Grenze der menschlichen Spezies hinaus zu erweitern", erklärt Cavalieri. Die Folgen einer Menschenrechtskonvention für Affen wären einschneidend: Orang-Utans, Gorillas und Schimpansen dürften nicht mehr im Zoo gehalten und in Zirkussen eingesetzt werden. Zudem wären Tierversuche mit Affen grundsätzlich untersagt.

Affen kennen Mitgefühl und die Grundzüge moralischen Handelns

Tatsächlich sind die Menschenaffen biologisch unsere engsten Verwandten. "Die Genetiker können uns zeigen, dass wir eine gemeinsame Erbinformation haben, die je nach Maßeinheit 98,5 bis 99 Prozent ausmacht", sagt Eckart Voland, Professor für Biophilosophie an der Universität Gießen.

Auch die geistigen und emotionalen Fähigkeiten von Mensch und Affe ähneln sich sehr. Sie sind in der Lage, menschliche Zeichensprache zu erlernen und mit ihr zu kommunizieren. Sie können sich in ihr Gegenüber hineinversetzen, kennen Mitgefühl und die Grundzüge moralischen Handelns. Laut Voland zeigen große Menschenaffen Ansätze von Repräsentation, Fairness und Tauschgerechtigkeit.

"Menschenaffen sind keine Menschen"

Trotz aller Gemeinsamkeiten, die Forderung nach einigen Grundrechten geht vielen Wissenschaftlern zu weit. Sie bezweifeln, dass die Fähigkeiten der Menschenaffen vergleichbar wären mit dem bewussten Denken des Menschen – zumal auch viele andere Tierarten zu erstaunlichen Leistungen in der Lage sind. "Ich halte es für hochproblematisch, Menschenaffen auf die Stufe des Menschen zu stellen, denn dann funktioniert nichts mehr. Wir Menschen sind keine Menschenaffen und Menschenaffen sind keine Menschen", sagt zum Beispiel Jörg Adler, Zoodirektor des Allwetterzoos Münster. Der Mensch hätte aber wohl die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass Menschenaffen auch in Zukunft leben können.

Denn ihnen bleibt auf der Erde nur wenig Zeit. Wissenschaftler gehen davon aus, dass es in 20 bis 30 Jahren keine wildlebenden Menschenaffen mehr geben wird. Ihr natürlicher Lebensraum, der Regenwald, wird systematisch für Palmölplantagen zerstört.

Stand: 07.06.2013

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