16. April 1913 – Albert Schweitzer trifft in Lambarene ein

Albert Schweitzer trifft in Lambarene ein

Stichtag

16. April 1913 – Albert Schweitzer trifft in Lambarene ein

Mit 29 Jahren geht Siegfried Neukirch zu Albert Schweitzer nach Lambarene. Schon in der Schule in Freiburg hat er von dem Krankenhaus des Arztes, Mediziners und Philosophen in Zentralafrika gehört. Während eines Studiums in Kanada beschließt er, "sein Leben Albert Schweitzer zu widmen" und hier mitzuhelfen.

Von Vancouver aus macht sich Neukirch mit dem Rad auf den Weg nach Französisch-Äquatorialafrika. 1959 kommt er auf dem Schiffsweg in Lambarene an. Nach wenigen Metern an Land kommt Albert Schweitzer mit einem Schriftenbündel auf ihn zu und fragt ihn, was er vorhabe. "Ich sagte, dass ich ihm gerne beim ausländischen Schriftverkehr helfen möchte", wird sich Neukirch später erinnern. "Worauf er sagte: 'Du arbeitest mit mir zusammen beim Bauen!' Das war ein ganz großer Moment.“

Ethik des Lebens

Wie die Anekdote zeigt, ist der 1875 im elsässischen in Kaysersberg geborene Schweitzer ein zupackender, pragmatischer Mann, der sich gegenüber seinen Mitarbeitern oft auch despotisch durchzusetzen weiß. Seine Aktionen und Befehle stehen dabei stets im Dienst der guten Sache, die sich auf ein ethisches Bekenntnis zum Dasein bezieht. "Ich bin Leben, das leben will. Inmitten von Leben, das leben will", definiert er seine Ansichten in einem Vortrag. "Als gut gilt: Leben zu erhalten und zu fördern. Als böse gilt: Leben schädigen oder vernichten."

Dieser Grundsatz leitet auch die Idee, in Lamarene ein "Urwaldspital" für die Ärmsten der Armen einzurichten. Für Schweitzer ist es auch "Sühne für das Leid, das wir Weißen von dem Tage an über sie gebracht, da unsere Schiffe den Weg zu ihren Gestaden fanden".

Am 16. April 1913 traf Schweitzer in Lambarene ein, wo er sich mit einem Missionars-Ehepaar über das konkrete Vorgehen besprach. Dabei stellte er fest, dass er aus dem Nichts alles selbst wird aufbauen müssen. So entstand das Krankenhaus aus den wenigen Kisten und Spenden an medizinischem Material, das er im Gepäck bei sich führte. Fünfzig Jahre später besteht das international besetzte Hospitalteam aus fünf Ärzten und zwölf diplomierten Krankenschwestern. Insgesamt sind neun Nationen vertreten. Die 40 Gehilfen, Hebammen und Pflegerinnen stammen aus Afrika und wurden in Lambarene ausgebildet.

"Aber es hat doch Charme, dieses Hospital"

Zwei Mal muss Schweitzer seinen Lebenstraum wieder neu aufbauen, dreimal steht das Projekt kurz vor der Insolvenz. Es ist seine ethische Überzeugung, die ihn und seine Mitarbeiter, die nicht selten 24 Stunden im Einsatz sind, durchhalten lässt. Der Erfolg gibt dem Team Recht: Die Patienten kommen aus Dörfern im Umkreis von 600 Kilometern und nehmen oft tagelange Anreisen in Kauf, um sich oder ihre Angehörigen behandeln zu lassen. Nach dem Abendessen belohnt Schweitzer seine Mitarbeiter nicht selten mit Gesang oder Orgelspiel. 1952 erhält er für sein Engagement den Friedensnobelpreis.

Über 40 Jahre ist Schweitzer in Lambarene tätig. Die Nachricht von seinem nahenden Tod verbreitet sich 1965 wie ein Lauffeuer in der Region. Da wünscht sich Schweitzer, noch einmal sein Lebenswerk zu sehen. Mitarbeiter führen ihn an den Punkt, von dem aus er es am besten überblicken kann: Ein Krankenhausareal mit 50 Häusern sowie einem Lepradorf mit weiteren 20 Häusern. Insgesamt können hier – neben kranken Tieren – 470 Patienten stationär behandelt werden. Mit seinem Gemüsegarten und den Fruchtpflanzungen, der Schreinerei, Wäscherei und Bäckerei sowie seinen Werkstätten ist das "Urwaldspital" ökonomisch unabhängig.

"Aber es hat doch Charme, dieses Hospital", soll der Todkranke bei diesem Anblick zu seinen Mitarbeitern gesagt haben. "Findet ihr nicht auch?"

Stand: 16.04.2013

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