18. April 1983 - Selbstmord-Anschlag auf US-Botschaft in Beirut

Das am 18.04.1983 durch einen Bombenanschlag zerstörte Gebäude der US-Botschaft in Beirut (Aufnahme vom 21.04.1983)

Stichtag

18. April 1983 - Selbstmord-Anschlag auf US-Botschaft in Beirut

Es ist ein Uhr mittags, als am 18. April 1983 ein dunkler Lieferwagen ungebremst in die Frontfassade der US-Botschaft in Beirut fährt. Eine Explosion reißt das siebenstöckige Gebäude in der Mitte auf. 63 Menschen sterben durch den Bombenanschlag eines Selbstmord-Attentäters, über 100 werden schwer verletzt - darunter auch die libanesische Botschaftsmitarbeiterin Alia Malik. Sie überlebt nur durch einen Zufall, weil sie im Augenblick der Detonation in einem Lagerraum ein Telefonbuch holt: "Ich habe den Schrank geöffnet und die Druckwelle hat mich einfach umgeworfen, dann weiß ich nichts mehr." Eine Kollegin trägt Alia Malik in das Treppenhaus - durch Rauch, verbogene Stahlträger und die Schreie der Verwundeten, die unter den Trümmern eingeklemmt sind.

Alia Malik wacht erst im Krankenhaus wieder auf, mit lebensgefährlichen Verletzungen: "Teile meines Schädelknochens waren gebrochen, ich hatte zwölf Operationen, Splitter überall im Körper, ich habe meine Zähne und mein halbes Gehör verloren."

Unzureichend gesichert

Weder der amerikanische Geheimdienst noch die Mitarbeiter der Botschaft haben mit einem solchen Attentat gerechnet. Das Haus ist nur unzureichend gesichert worden, obwohl zu diesem Zeitpunkt Bürgerkrieg im Libanon herrscht und sich fast der gesamte CIA-Stab für den Mittleren Osten dort aufgehalten hat.

Das Attentat auf die amerikanische Botschaft ist der Beginn einer Reihe von Selbstmord-Attentaten gegen US-Einrichtungen auf der ganzen Welt. Schon wenige Monate später folgt ein solcher Doppel-Anschlag auf die Internationalen Friedenstruppen im Libanon: Am 23. Oktober 1983 steuert ein lächelnder junger Mann einen Transporter mit einer Tonne TNT in ein vierstöckiges Gebäude am Beiruter Flughafen, das als Unterkunft von US-Marines dient. 241 US-Elitesoldaten sterben. Auch 56 französische Fallschirmspringer werden getötet: Nur wenig später ist ein zweiter Fahrer mit einer Bombe in ihr Hauptquartier gerast.

Erfolg aus Sicht der Täter

Obwohl das Weiße Haus in Washington zunächst versichert, im Libanon präsent bleiben zu wollen, verlassen die US-Marines das Land rund vier Monate später. "Wenn Sie so wollen, haben wir hier zum ersten Mal einen Erfolg aus Sicht der terroristischen Täter - gegen die fremden Invasoren, als solche wurden sie ja damals gesehen", sagt Terrorismus-Experte Rolf Tophoven. Die USA machen die Hisbollah für die Taten verantwortlich, doch bis heute konnten die Hintermänner nicht zweifelsfrei identifiziert werden. Die Zahl der Selbstmord-Attentate mit islamistischem Hintergrund auf US-Einrichtungen steigt ab 1983 rasant. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 erklärt George W. Bush offiziell Amerikas "Krieg gegen den Terrorismus".

Mittlerweile gleichen US-Botschaften Festungen: Egal ob in Beirut, Bagdad oder Berlin - überall gibt es Stacheldraht, Sperrzonen und Sicherheitsschleusen. Der Anschlag im April 1983 hat nicht nur das Sicherheitsgefühl der USA erschüttert. Er hat auch das Leben von Alia Malik von Grund auf verändert: "Ich halte mich fern von lauten Stimmen, von Verkehrsstaus, von Motorrädern und Menschenansammlungen. Ich treffe immer und überall Vorsichtsmaßnahmen, damit ich nie wieder die Kontrolle verliere."

Stand: 18.04.2013

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