9. März 1993 - Todestag von Cyril Parkinson

Todestag des Historikers und Publizisten Cyril N. Parkinson

Stichtag

9. März 1993 - Todestag von Cyril Parkinson

62 Großkampfschiffe besitzt die Britische Marine im Jahr 1914 und beschäftigt dafür 2.000 Beamte. Im Jahr 1928 hat die Marine nur noch 20 Großschiffe – aber bereits 3.500 Beamte, die sich darum kümmern. "Wir haben da eine großartige Marine zu Land" spotten die Briten und ein Landsmann wertet das kuriose Zahlenwerk aus: der englische Historiker, Soziologe und Publizist Cyril Northcote Parkinson.

Seine satirische Abrechnung mit der Bürokratie erscheint 1957: "Parkinsons Gesetz und andere Studien über die Verwaltung". Parkinson beschreibt eine Arbeitswelt, in der ein eigenes Gesetz gilt. "Arbeit dehnt sich in genau dem Maß aus, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht" lautet das erste Parkinsonsche Gesetz. Oder anders gesagt: Arbeit lässt sich dehnen wie Gummi. Seine These begründet Parkinson mit zwei Lehrsätzen: "Beamte und Angestellte schaffen sich selbst gegenseitig Arbeit" und "Jeder Beamte wünscht die Zahl der Untergebenen, nicht aber die Zahl der Rivalen zu vergrößern".

"Woher kennen Sie unsere Organisation so genau?"

Deswegen würden Verwaltungsapparate ständig anwachsen, auch wenn es weder mehr Arbeit noch mehr Komplexität gibt. Parkinsons Satire kommt unglaublich gut an. "Ich erhalte Briefe aus der ganzen Welt und aus allen möglichen Arten von Verwaltungen -  aus dem Handel, der Industrie, dem Erziehungsbereich. Und in jedem Brief wurde die Frage gestellt: Woher kennen Sie unsere Organisation so genau? Natürlich wusste ich nichts über die Organisation, ich wusste noch nicht einmal, dass es sie gab", sagte Parkinson einmal.

Wenn Verwaltungen expandieren

Auch in Deutschland verkauft sich das Buch gut. Schon 1930 schrieb Kurt Tucholsky: "Das deutsche Schicksal: Vor einem Schalter stehen, das deutsche Ideal, hinter einem Schalter sitzen." Seitdem wuchs auch in Deutschland der Beamtenapparat. "In der Nachkriegszeit, von den 1950er-Jahren bis Mitte der 1970er- Jahre, beginnt die Verwaltung stark anzuwachsen. Das hat viel damit zu tun, dass die öffentlichen Aufgaben zugenommen haben. In dieser Zeit beobachten wir eine massive Expansion des Verwaltungswesens", erklärt Jörg Bogumil, Professor für Verwaltung an der Universität Bochum.

Später setzt die Gegenbewegung ein: Bürokratie gilt nun als Wachstumsbremse, als Kampfbegriff für verschleppte Verfahren und trödelnde Beamte. Norbert Röttgen, früherer Minister einer schwarz-gelben Regierung, wollte weniger Bürokratie: "Mir ist der Bürokratieabbau als Freiheitsgewinn von Gesellschaft und Bürgern und Unternehmen schon lange ein wichtiges Anliegen." Auch Wolfgang Clement, Minister einer rot-grünen Regierung, wollte weniger Bürokratie: "Wir wissen ja alle, dass das Geld nicht in den Ämtern verdient wird, sondern in den Märkten."

Anzahl der Beamten in Deutschland sinkt beständig

Gelten die Parkinsonschen Gesetze also bis heute in deutschen Ämtern? "Seit 1990 ist die Anzahl der Beschäftigten im öffentlichen Dienst stark gesunken. Wir sind heute auf dem Stand vom Ende der 1960er-Jahre in Deutschland, was weithin unbekannt ist", sagt Jörg Bogumil. Verwaltungen sind also schlanker geworden. "Auf jeden Fall ist die Welt von 2013 lange nicht mehr die der 1970er-Jahre, wo Parkinsons Aussagen noch zutrafen", sagt Bogumil. Am Ende seines Lebens hat Cyril Parkinson, gestorben am 9. März 1993, ein neues Grundübel der Arbeitswelt entdeckt: den Computer. "Das Hauptprodukt einer automatisierten Welt ist ausgedehnter und tiefer Stumpfsinn." Drei Arbeitstage am Computer würden ausreichen, sagte Parkinson. Den Rest der Woche solle der Mensch sinnvoll verbringen, mit Blumenzucht und Holzschnitzerei zum Beispiel.

Stand: 09.03.2013

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