22. Januar 1963 - Élysée-Vertrag wird unterzeichnet

Deutsch-französischer Vertrag unterzeichnet

Stichtag

22. Januar 1963 - Élysée-Vertrag wird unterzeichnet

"Politische Visionäre" hat Frankreichs Staatspräsident François Hollande die beiden Männer unlängst genannt: Charles de Gaulle und Konrad Adenauer träumten davon, dass Feinde zu Freunden werden. Am 22. Januar 1963 unterzeichnen sie den Élysée-Vertrag in Paris: der 87 Jahre alte deutsche Kanzler und Frankreichs Präsident, 73 Jahre alt. Das Dokument verpflichtet beide Länder nach langen Jahren der Rivalität zur politischen, militärischen und kulturellen Zusammenarbeit. Aber: "De facto ist der Élysée-Vertrag gescheitert", sagt Ulrike Guérot, Politikwissenschaftlerin am European Council on Foreign Relations und Expertin für die deutsch-französischen und deutsch-amerikanischen Beziehungen.

Deutsche und Franzosen arbeiten so eng zusammen wie nie zuvor

Dabei haben François Hollande und Bundeskanzlerin Angela Merkel 2012 in der Kathedrale zu Reims den 50. Jahrestag der deutsch-französischen Versöhnung gefeiert. Tatsächlich arbeiten Deutsche und Franzosen intensiver zusammen als je zuvor. "Alle Ministerien – deutsche und französische – treffen sich bilateral von Zeit zu Zeit. Es gibt sogar deutsch-französische Ministertreffen mit mehreren Ministern", erklärt Ulrike Guérot. Jenseits der politischen Ebene sind Städtepartnerschaften entstanden, das deutsch-französische Jugendwerk und der Kulturkanal Arte.

Grosser: De Gaulle ist mit Adenauer gescheitert

Doch Ulrike Guérot betont: "Das war nicht die Essenz dieses Vertrags. Er hatte eine ganz andere politische Bedeutung, die verfehlt wurde." Auch Alfred Grosser, Politologe und seit Jahrzehnten einer der großen Vermittler zwischen beiden Ländern, teilt diese Meinung. "Adenauer … hat sich nicht von Amerika trennen lassen. De Gaulle ist völlig gescheitert mit Adenauer – und das nennt man eine Freundschaft!" Der Franzose will einen sicherheitspolitischen Vertrag, um Deutschland aus der Obhut von USA und Nato zu lösen. Äquidistanz nennt das de Gaulle: Abstand zur Sowjetunion einerseits und zu den Vereinigten Staaten andererseits.

Doch im Bundestag erhält das Schriftstück eine Präambel, die ein starkes Bekenntnis zur Nato und den USA enthält. De Gaulle ist enttäuscht: Verträge sind wie junge Mädchen und Rosen, soll er gesagt haben, sie haben ihre Zeit, sie verblühen schnell.

"Die Rose hält jeden Winter durch"

Beim Wiedersehen der beiden Staatsmänner im Juli 1963, eine Woche nach John F. Kennedys großer "Ich-bin-ein-Berliner"-Rede, antwortet ihm der Rosenzüchter Adenauer: "Rosen und junge Mädchen – natürlich haben sie ihre Zeit. Aber die Rose – davon versteh' ich nun wirklich etwas – ist die ausdauerndste Pflanze. Sie hält jeden Winter durch."

Stand: 22.01.2013

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