13. Januar 1988 - Störfallzentrum NRW nimmt Betrieb auf

Montage: Smog, Wasser, Messband

Stichtag

13. Januar 1988 - Störfallzentrum NRW nimmt Betrieb auf

Am 26. April 1986 ereignet sich in der Ukraine eine Atomkatastrophe: "In dem sowjetischen Kernkraftwerk Tschernobyl ist es offenbar zu dem gefürchteten GAU gekommen, dem größten anzunehmenden Unfall", meldet die Tagesschau drei Tage später. Die radioaktive Wolke breite sich "sichelförmig nach Nordwesten" aus - in Richtung Mitteleuropa, heißt es.

Je näher die Bedrohung kommt, desto größer wird das Informationsbedürfnis in Deutschland. Doch die Antworten der deutschen Behörden auf Fragen aus der Bevölkerung sind widersprüchlich und verwirren. Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann (CSU) ist überzeugt: "Eine Gefährdung besteht nur in einem Umkreis von 30 bis 50 Kilometern um den Reaktor herum." Erich Oberhausen, Chef der Strahlenschutz-Kommission, hingegen warnt die deutschen Bauern: "Wir haben empfohlen, die Kühe die nächsten Tage nicht auf die Weide zu schicken."

Von Smog bis Radioaktivität

Damit sich eine solche Verunsicherung der Bürger bei künftigen Krisen nicht wiederholt, richtet die nordrhein-westfälische Landesregierung anderthalb Jahre nach der Katastrophe von Tschernobyl am 13. Januar 1988 ein sogenanntes Störfallzentrum NRW ein. Es habe den Zweck, so der damalige Umweltminister Klaus Matthiesen (SPD), "schnellstmöglich Informationen über Störfälle zentral zu sammeln und auszuwerten; schnell und umfassend zu reagieren und Gegenmaßnahmen einzuleiten; die Bevölkerung möglichst zeitnah zu informieren und gegebenenfalls zu warnen." Zur Einrichtung gehören eine Smog-Zentrale, Systeme zur Überwachung der Gewässer, der Lebensmittel und der Radioaktivität in der Umwelt sowie zur Waldbrandverhütung.

Die technischen Einrichtungen im Ministerium und im ganzen Land kosten knapp 25 Millionen Euro. Untergebracht ist das Zentrum im zehnten Stock des Umweltministeriums - allerdings ohne eigenes Personal, dafür mit Faxgeräten, Anrufbeantwortern und einer neuen Bürgertelefonanlage mit 20 eigenen Direktanschlüssen. Nukleare Störfälle treten in den ersten Jahren keine auf, dafür sind Bedrohungen im Lebensmittelbereich Thema - etwa belasteter Wein, BSE oder Schweinepest.

Durch "Krisenstab der Landesregierung" ersetzt

Mit den Jahren werden die Krisen und Gefahren immer komplexer - viel zu komplex für ein einzelnes Ministerium. Deshalb wird das Störfallzentrum um die Jahrtausendwende abgeschafft und durch einen "Krisenstab der Landesregierung" ersetzt. Dieser hat seinen Sitz nun im Landesinnenministerium. Es ist ein funktioneller Raum mit schwarzen Stühlen und hellen Tischen, auf denen zahlreiche Computer-Bildschirme bereitstehen. Tritt eine Krise ein, verlassen die Mitarbeiter "ihren normalen Schreibtisch, gehen in den Krisenstabsraum, schließen dort ihren PC an und beginnen dann über die spezielle Stabs-Software sich in die Lage einzufinden", sagt Hans-Georg Frey, stellvertretender Abteilungsleiter Gefahrenabwehr und Bevölkerungsschutz im NRW-Innenministerium.

Die Liste der sogenannten Lagen ist lang: Chemieunfall, Orkan Kyrill, Pandemie, Bombenentschärfung, Terrorwarnung, Rhein-Hochwasser. Auch nukleare Gefahren gehören weiterhin dazu. Fukushima ist zwar sechs Mal so weit entfernt wie Tschernobyl. Aber dennoch ist im Frühjahr 2011 nach der japanischen Reaktorkatastrophe der Krisenstab in Düsseldorf einberufen worden. Für die Kommunikation mit der Bevölkerung sind mittlerweile Anrufbeantworter und Faxgeräte durch Internet, Facebook und Twitter abgelöst worden.

Stand: 13.01.2013

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