1. Dezember 1967 - Bundestag verabschiedet Filmförderungsgesetz

Ein altes Vorführgerät mit Blick in den Zuschauerraum

Stichtag

1. Dezember 1967 - Bundestag verabschiedet Filmförderungsgesetz

Während in den 1960er Jahren europaweit Regisseure wie Federico Fellini, Jean-Luc Godard, Ingmar Bergman und Luis Buñuel mit Fördergeldern Filmkunst schaffen, werden in der Bundesrepublik noch immer überwiegend Filme wie "Winnetou" produziert. Doch während solche Filme in den 1950er Jahren noch Gewinne einbrachten, setzt nun mit der zunehmenden Konkurrenz durch das Fernsehens ein Kinosterben ein. Es werden deshalb kritische Fragen nach der Qualität des deutschen Films gestellt.

Im Februar 1962 veröffentlicht eine Gruppe junger Filmemacher das "Oberhausener Manifest": "Der Zusammenbruch des konventionellen deutschen Films entzieht einer von uns abgelehnten Geisteshaltung endlich den wirtschaftlichen Boden", sagt Wortführer Alexander Kluge. Dadurch habe der neue Spielfilm die Chance, lebendig zu werden. "Der alte Film ist tot - wir glauben an den neuen." Der aber habe nur eine Chance mit öffentlicher Filmförderung - wie längst in Frankreich, Italien oder England üblich.

Fördermittel für kreative Filmideen

Am 1. Dezember 1967 beschließt der Bundestag ein Gesetz zur Gründung der Filmförderungsanstalt (FFA), die von Kinobetreibern - später auch von Videotheken und Fernsehsendern - die "Filmabgabe" erhebt und damit die Produktion deutscher Filme subventioniert. So trägt auch Hollywood indirekt zur Finanzierung des FFA-Haushalts bei. Das Gesetz hilft allerdings zunächst vor allem den Alteingesessenen in der Filmbranche. Denn das Geld wird über eine sogenannte Referenzfilmförderung verteilt: Wer einen kommerziell erfolgreichen Film produziert hat, erhält Geld für einen neuen. Dadurch bleiben Jungfilmer außen vor. Deren Lage verbessert sich erst 1974, als die sozialliberale Bundesregierung mit einer Novelle die sogenannte Projektförderung einführt: Eine FFA-Kommission vergibt Fördermittel für kreative Filmideen.

In den 1970er Jahren entstehen auf diese Weise bekannte Werke des "Neuen Deutschen Films": "Die Ehe der Maria Braun" von Rainer Werner Fassbinder, "Der amerikanische Freund" von Wim Wenders und "Die Blechtrommel" von Volker Schlöndorff, der sogar mit einem Oscar ausgezeichnet wird. Erstmals seit den 1920er Jahren genießt der deutsche Film wieder weltweit Anerkennung. Doch der künstlerisch-gesellschaftliche Aufbruch endet bald. Bundesinnnenminister Friedrich Zimmermann (CSU) fordert 1984 eine andere Filmförderung. Er sei nicht bereit, "jedes pseudokünstlerische Experiment", das nur der "Selbstverwirklichung des Einzelnen" diene, zu unterstützen.

350 Millionen Euro für 200 Filme pro Jahr

Der Schwerpunkt der Filmförderung verschiebt sich allmählich wieder von der Filmkunst in Richtung Unterhaltung. Viele Bundesländer gründen eigene, steuerfinanzierte Fördereinrichtungen und schaffen immer mehr Gremien, um Filmprojekte zu beurteilen. Filmkritiker Horst-Peter Koll bemängelt allerdings, dass diese Gremien - die aus ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Repräsentanten bestehen - bei ihren Entscheidungen auf Konsens angewiesen sind. Das sei "nicht immer das beste Biotop für einen kämpferischen und mutigen Entscheidungswillen." Es entstehen nun Komödien wie "Der bewegte Mann", Bestseller-Verfilmungen wie "Die Apothekerin" oder Filmbiografien wie "Marlene".

Mittlerweile stehen für die Filmförderung jedes Jahr insgesamt rund 350 Millionen Euro bereit. Etwa 100 Millionen Euro davon verteilt die FFA. Insgesamt entstehen so jedes Jahr mehr als 200 deutsche Kinofilme.

Stand: 01.12.2012

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