20. November 1912 – Otto von Habsburg wird geboren

Otto von Habsburg, der älteste Sohn des letzten Kaisers von Österreich-Ungarn, im September 1989 in seinem Haus am Starnberger See.

Stichtag

20. November 1912 – Otto von Habsburg wird geboren

Eigentlich ist Otto von Habsburg von Geburt an dafür auserwählt, den Thron seines Vaters Karl I. zu erben. Aber dann rollen die Ereignisse der Geschichte über ihn hinweg. Den Zerfall Österreich-Ungarns nach dem Ersten Weltkrieg erlebt der Kronprinz ebenso hautnah mit wie den Zerfall der Monarchie.

Mit der militärischen Niederlage muss Karl I. 1918 auf den Thron verzichten.  Die letzten Tage auf Schloss Schönbrunn, "wo wir von allen verlassen worden sind",  sind dem damals erst sechsjährigen Otto auch im hohen Alter noch präsent - ebenso wie "unsere Abfahrt von Schönbrunn an einem traurigen, dunklen Novemberabend".    

Erklärter Gegner Adolf Hitlers

Geboren wird Otto von Habsburg am 20. November 1912. Sechs Jahre später wird die Familie von der neuen österreichischen Regierung gezwungen, das Land zu verlassen. Otto von Habsburg folgt seinem Vater zunächst in die Schweiz und dann auf Madeira, wo ein Bankier ihnen eine Villa überlässt. Nach dem Tod Karls kommt die Familie über Spanien nach Belgien. Dort wird Otto von Habsburg 1930 zum Oberhaupt des Hauses Habsburg-Lothringen ernannt. 77 Jahre wird er diese Position bekleiden.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 bittet Adolf Hitler Otto von Habsburg-Lothringen zwei Mal um ein Treffen. Beide Male lehnt dieser ab - und macht aus seiner Abneigung keinen Hehl. Dadurch in Ungnade gefallen, entgeht er nur knapp einem Mordplan und muss in die USA fliehen. 1944 kehrt er nach Frankreich zurück. 1951 heiratet er Regina Prinzessin von Sachsen-Meiningen, mit der er sieben Kinder hat.

Der leere Stuhl im Parlament

Erst 1961 unterschreibt Otto von Habsburg-Lothringen eine Verzichtserklärung auf den österreichischen Thron – Voraussetzung dafür, dass er wieder ins Land einreisen darf. Zu dieser Zeit hat er sich schon längst zum glühenden Verfechter des europäischen Gedankens entwickelt. 1957 wird er Vizepräsident , ab 1973 Präsident der Internationalen Paneuropa-Union, der ältesten europäischen Einigungsbewegung.

Ab 1979 sitzt Otto von Habsburg-Lothringen 20 Jahre lang für die bayerische Christlich-Soziale Union (CSU) im Europäischen Parlament – immer darum bemüht, dass die Länder jenseits des Eisernen Vorhangs nicht in Vergessenheit geraten. Auf seinen Einfall hin symbolisiert ein leerer Stuhl im Plenarsaal die noch fehlenden Länder. Im August 1989 organisiert er das "Pan-Europäische Frühstück" an der österreichisch-ungarischen Grenze, das Hunderte von DDR-Bürgern zur Flucht in den Westen nutzen.

Otto von Habsburg-Lothringen stirbt 2011 mit 98 Jahren in seinem Haus in Pöcking am Starnberger See.

Stand: 20.11.2012

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