5. September 1877 - Kriegshäuptling Crazy Horse wird getötet

Crazy Horse im Kampf mit General George Armstrrong Custer

Stichtag

5. September 1877 - Kriegshäuptling Crazy Horse wird getötet

Vier amerikanische Präsidenten sind am Mount Rushmore in den Black Hills verewigt: Von 1927 bis 1941 wurden im US-Bundesstaat South Dakota die jeweils 18 Meter hohen Gesichter von George Washington, Thomas Jefferson, Theodore Roosevelt und Abraham Lincoln in den Fels gehauen. 14 Kilometer südwestlich davon entsteht ein anderes riesiges Denkmal. Es soll an Crazy Horse erinnern: ein Kriegshäuptling der Lakota-Indianer, die zu den Sioux gehören. Seit 1948 wird im Auftrag einiger Indianer an seinem Abbild gearbeitet. Irgendwann soll Crazy Horse aus Stein gehauen auf seinem Pferd sitzen. Andere Indianer lehnen das Projekt, das rund 170 Meter hoch werden soll, ab. Sie beklagen die Entweihung ihrer heiligen Black Hills.

Über Crazy Horse selbst gibt es kaum gesicherte Informationen. "Er ist nie fotografiert worden", sagt Markus Lindner, Ethnologe an der Universität Frankfurt am Main. Alles, was bekannt sei, stamme aus zweiter oder dritter Hand. Den Erzählungen zufolge ist der um 1844 geborene Lakota-Indianer im 19. Jahrhundert ein guter Kämpfer, der bald zum einflussreichen Kriegsanführer wird. Gleichzeitig habe er sich für soziale Werte wie die gute Versorgung von Alten und Schwachen eingesetzt.

Kämpft bei der Schlacht am Little Bighorn

In den 1870er Jahren wollen die weißen Siedler die Black Hills den Indianern abkaufen, weil dort Gold gefunden worden ist. Die Entdeckung ist allerdings widerrechtlich zustande gekommen, weil laut des Vertrags von Fort Laramie von 1868 das Gebiet den Indianern gehört und eigentlich kein Goldsucher dort hätte auftauchen dürfen. Doch dadurch lässt sich die Habgier nicht mehr aufhalten.

Es kommt zu einer Schlacht mit unerwartetem Ausgang: Eine Übermacht von Sioux- und Cheyenne-Indianern vernichtet 1876 am Little Bighorn River - im Südwesten des heutigen US-Bundesstaates Montana - das siebte Kavallerie-Regiment. Alle rund 225 Soldaten sterben, darunter auch ihr General George Armstrong Custer. Crazy Horse gelte als "einer der mutigsten Kämpfer der ganzen Schlacht", sagt Ethnologe Lindner. Doch es ist das letzte Mal, dass die Indianer noch in der Lage sind, der weißen Übermacht etwas entgegenzusetzen.

Mit dem Bajonett niedergestochen

Hunger, Not und kriegerische Auseinandersetzungen führen schließlich dazu, dass sich viele Indianer mit einem Leben im Reservat abfinden. Crazy Horse gehört nicht dazu. Weil er angeblich eine Verschwörung plant, soll er festgenommen werden - ein Gerücht. Am 5. September 1877 reitet Crazy Horse zum Fort Robinson, um den Sachverhalt richtig zu stellen. Aber die Wachen versuchen sofort, ihn festzunehmen. Während des Handgemenges stößt einer der Wachmänner mit seinem Bajonett zu. Crazy Horse stirbt an der Verletzung - und wird zur Symbolfigur.

Die Frage, was aus dem mutigen Kämpfer geworden wäre, wenn er überlebt hätte, beantwortet der Ethnologe Lindner so: "Er hätte sich irgendwann auch assimilieren müssen." Denn traditionelle Lebensgrundlagen wie die Jagd habe es nicht mehr gegeben. Der Ruf eines standhaften Kriegers, "der bis zu seinem Tod den alten Lakto-Weg niemals aufgegeben hatte, wäre sicher verloren gegangen, wenn er weitergelebt hätte."

Stand: 05.09.2012

Programmtipps:

Auf WDR 2 können Sie den Stichtag immer gegen 9.40 Uhr hören. Wiederholung: von Montag bis Freitag gegen 17.40 Uhr und am Samstag um 18.40 Uhr. Der Stichtag ist nach der Ausstrahlung als Podcast abrufbar.