20. August 1572 – Erster Beleg für Spanische Hofreitschule

Spanische Hofreitschule in Wien

Stichtag

20. August 1572 – Erster Beleg für Spanische Hofreitschule

1521 kommt der spätere Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Ferdinand I. nach Wien, um als Erzherzog von Österreich die Macht zu übernehmen. Seine Jugend hat der Habsburger in Spanien verbracht. Deshalb befinden sich neben spanischen Reitern auch spanische Pferde im Gefolge.

Um unabhängig von den Wetterverhältnissen mit den Tieren arbeiten zu können, will Ferdinand in Wien eine Reithalle. Auf einer Rechnung über eine Holzlieferung ist am 20. August 1572 erstmals von einem "Spanischen Reitsaal" die Rede – Grundstein für die berühmte Spanische Hofreitschule mit ihren weißen Lipizzanern, die heute noch Touristen aus aller Welt begeistert.

Älteste Kulturpferderasse der Welt

Bis dahin aber ist es noch ein weiter Weg. Denn die feurigen spanischen Pferde sind nur ein Zweig der Lipizzaner. Ab 1580 werden sie mit den bodenständigen "Karster Pferden" gekreuzt, die aus der gebirgigen Gegend im heute slowenischen Lipica stammen.

So entsteht im dortigen kaiserlichen Stammgestüt die älteste Kulturpferderasse der Welt - eine Pferderasse, die nicht nur äußerst leistungsbereit und kräftig ist, sondern auch anmutig und in der Lage, komplexe Dressurfolgen zu erlernen. Die charakteristische weiße Farbe ist ein weiteres Zuchtergebnis   

Ein Ballsaal für Pferde

Zwischen 1729 und 1735 errichtet Karl VI., vor dessen Porträt die Bereiter bis heute vor jeder Vorführung ihren Zweispitzhut ziehen, der Spanischen Hofreitschule in Wien einen Ballsaal. Unter seinen prächtigen Kristallleuchtern können Besucher bis heute bestaunen, zu welchen Dressurleistungen der Hohen Schule die Lipizzaner fähig sind.

Darunter ist auch die sogenannte Kapriole, bei der das Pferd mit allen Vieren gleichzeitig in die Luft springt und  mit den Hinterbeinen ausschlägt, sodass das Tier für Momente zu schweben scheint. Übungen wie diese machen die Dressur zu einem akrobatischen Hochleistungssport.

Von der Wiese ins Solarium

Seit dem Ersten Weltkrieg züchten die Österreicher ihre Lipizzaner ausschließlich im Bundesgestüt Piber in der Nähe von Graz. Hier leben die Pferde auf 1.500 Metern Höhe in Herden, auf Wiesen ohne Stall, erkämpfen sich ihre Rangordnung und bilden im freien Galopp über Stock und Stein ihre Beinkraft aus.

Von Zeit zu Zeit besuchen die Oberbereiter und Bereiter aus Wien das Gestüt, um geeignete Hengste für die Spanische Hofreitschule auszusuchen. Mit dem Kulturschock beginnt der Ernst des Lebens: harte Arbeit, aber auch bestes Futter, Solarium und Magnetfeldtherapien zur Muskelentspannung.

Seit 2010 gehört die Spanische Hofreitschule zu den immateriellen UNESCO-Kulturgütern.  

Stand: 20.08.2012

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