15. August 2007 – Mafia-Racheakt in Duisburg

Polizist vor der dem Tatort, ein italienisches Restaurant

Stichtag

15. August 2007 – Mafia-Racheakt in Duisburg

Der 15. August 2007 ist ein sonniger Tag. Auch im Duisburger Nobelrestaurant "Da Bruno" genießen die Gäste die laue Sommernacht. Um zwei Uhr nachts verlassen die Mitarbeiter das Lokal. Da durchbrechen Pistolenschüsse die Stille. Insgesamt geben die Täter 55 Schüsse auf ihre Opfer ab. Im Kugelhagel sterben sechs Menschen. Den herbeieilenden Polizisten bietet sich ein Bild des Schreckens.

Ein gesichtsloser Heiliger

Schnell wird den Ermittlern klar, dass es sich bei der Bluttat nicht um ein gewöhnliches Verbrechen handeln kann. Die Opfer sind regelrecht hingerichtet worden – mit einem gezielten Kopfschuss. Bei der Leiche eines 16-Jährigen findet die Polizei ein Heiligenbild mit ausgebranntem Kopf.

Bereits am nächsten Tag treffen Mafia-Experten aus Italien in Duisburg ein. Sie erklären den deutschen Ermittlern, dass das Heiligenbild Teil des Aufnahmerituals in den Kreis der Ndrangheta – eine kalabrische Gruppe der Mafia – ist. Die Identität der Opfer führt die Ermittler schnell ins süditalienische Städtchen San Luca, wo seit dem Sommer ein erbitterter Clankrieg herrscht.

Offenbar haben die verfeindeten Verbrecher ihre blutige Fehde nun auch nach Deutschland ausgedehnt, wo sie genauso wie in ihrer Heimat wirtschaftliche Interessen verfolgen.

Lebenslang für den Pizzeriachef

Anfang September 2007 verhaften die Beamten in Italien 40 Verdächtige. In Kaarst bei Duisburg durchsucht ein Sondereinsatzkommando eine Wohnung, die offenbar fluchtartig verlassen wurde und in der Umschläge mit großen Geldbeträgen auf dem Tisch liegen. Die Spur führt zu Giovanni Strangio, Chef von "Tonis Pizza" in Kaarst. Im März 2009 wird er in Amsterdam verhaftet und in Italien zu lebenslanger Haft verurteilt.

Das Duisburger Restaurant "Da Bruno" wird geschlossen. Heute befindet sich ein Restaurant im "American Style" mit Bildern und Musik von Frank Sinatra in seinen Räumen. Der einst der Mafia nahestehende Sänger ist die einzige – wohl eher unbeabsichtigte – Verbindung zu der Bluttat.

Stand: 15.08.2012

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