1. Mai 1917 – William Knox D'Arcy stirbt in Stanmore

William Knox D'Arcy

Stichtag

1. Mai 1917 – William Knox D'Arcy stirbt in Stanmore

Der 26. Mai 1908 ist buchstäblich ein schwarzer Tag im Leben des Unternehmers William Knox D'Arcy – und das im positiven Sinn. Jahrelang hat seine Mannschaft rund um den Geologen George Reynolds in Persien erfolglos nach Öl gebohrt, doch an diesem 26. Mai 1908 um 4.00 Uhr früh wird der Trupp von einem verheißungsvollen Pfeifen geweckt.

Das Geräusch stammt vom Gas, das sich über dem Erdöl befindet – dann schießt das Öl mit enormen Druck aus dem Bohrloch. Bei Masdsched Soleyman hat der Trupp ein riesiges Ölfeld angezapft. Bald schon sind die jubelnden Arbeiter schwarz von Öl. Die hochsteigende Fontäne markiert den Beginn des britischen Konzerns BP.

Vom gelben Gold zum schwarzen Gold

Geboren wird D'Arcy 1849 im englischen Newton Abbot. Er ist der Sproß eines englisch-irischen Adelsgeschlechts, das mit Wilhelm dem Eroberer im 11. Jahrhundert auf die Insel kam: Von seinen Vorfahren, so scheint es, erbt er seine Risikobereitschaft und die Abenteuerlust. 1866 wandert D'Arcy mit seinen Eltern nach Australien aus, wo er Jura studiert und zunächst in der väterlichen Kanzlei in Rockhampton arbeitet. Da ihn die Arbeit nicht ausfüllt, steigt er ins Geschäft mit australischen Goldminenaktien ein – und wird schnell Millionär.

In Rockhampton kann D'Arcy, der Pferderennen und Empfänge liebt, seinen Reichtum nicht angemessen ausleben. Deshalb geht er 1887 nach einer pompösen Abschiedsfeier mit seiner Frau und den Kindern auf Reisen nach Ägypten, Italien und Österreich, um schließlich nach England zurückzukehren. Hier gehören die D'Arcys zu den reichsten Familien des damaligen British Empire.

"Siehe Psalm 104, Vers 15"

Als seine australischen Goldminenaktien nicht mehr genug Profit abwerfen, um sein luxuriöses Leben zu finanzieren, muss sich D'Arcy nach einer anderen Geldquelle umsehen. Ein britischer Politiker überzeugt ihn vom Ölgeschäft. 1901 erwirbt er vom klammen Schah von Persien die Erlaubnis, auf dem Gebiet des heutigen Iran nach Öl zu suchen – und damit die britischen Interessen bei dessen Förderung zu wahren.

Als die Erfolge ausbleiben, muss D'Arcy sich neue Geldgeber suchen. Auf Vermittlung der britischen Regierung erklärt sich die britische Burmah Oil Company 1904 bereit, die aufwändigen Bohrungen zu finanzieren. Im Mai 1908 hat das lange Warten auf Erfolg ein Ende. George Reynolds schickt aus Masdsched Soleyman ein historisches Telegramm nach London – aus Angst vor Spitzeln verschlüsselt: "Siehe Psalm 104, Vers 15, dritter Absatz". In der Bibel steht dort zu lesen, dass "der Wein erfreue des Menschen Herz und sein Antlitz schön werde vom Öl".

Der zweite Reichtum

Das entdeckte Ölfeld ist riesig, D'Arcy erneut ein reicher Mann. Die kommerzielle Ölförderung in Persien beginnt. Unter abenteuerlichen Umständen entstehen Pipelines und um das Jahr 1913 herum eine Raffinerie in Abadan am Persischen Golf, noch heute eine der größten ihrer Art weltweit. D'Arcy verkauft seine Bohrkonzession schließlich an die Burmah Oil Company. 1909 wird als deren Tochtergesellschaft die Anglo-Persian Oil Company (APOC) gegründet, die sich später in British Petroleum Company (BP) umbenennt.

An dieser Erfolgsgeschichte ist William Knox D'Arcy nicht mehr beteiligt. Der Erdöl-Pionier stirbt am 1. Mai 1917 im Alter von 67 Jahren in London-Stanmore an einer Lungenentzündung.

Stand: 01.05.2012

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