29. Mai 1947 - US-Besatzungssoldaten dürfen deutsche Frauen heiraten

US Soldaten dürfen deutsche heiraten.

Stichtag

29. Mai 1947 - US-Besatzungssoldaten dürfen deutsche Frauen heiraten

"I am black and you are white", sagt GI Bill. Und Maria aus dem Rainer-Werner-Fassbinder-Film "Die Ehe der Maria Braun" wiederholt: "I am black – and you are white." Nein, andersherum, erklärt Bill, der mit der Deutschen eine Affäre begonnen hat. Als US-Soldaten nach dem Ende des Zweites Weltkriegs Deutschland besetzen, finden sie nicht nur Naziverbrecher vor, sondern hungrige Frauen, Kinder und Greise, deren Wohlwollen sie mit Schokolade, Nylonstrümpfen, Lippenstiften und Zigaretten gewinnen. Die US-Armee-Führung will freilich Begegnungen zwischen Besatzern und Besiegten verhindern. Es gilt das Fraternisierungsverbot: "Nichtverbrüderung ist die Vermeidung des Zusammentreffens mit Deutschen auf der Grundlage von Freundlichkeit, Vertrautheit oder Intimität - ob individuell oder in Gruppen, im offiziellen oder inoffiziellen Umgang." Bevor die Soldaten nach Deutschland reisen, zeigt die Armee ihnen einen Schulungsfilm. "Deutschland mag besiegt sein. Lasst Euch nicht täuschen! Ihr seid noch immer im Feindesland. (…) Verbrüdert Euch nicht mit den Deutschen! Sie sind nicht unsere Brüder, sie sind nicht unsere Freunde."

Der GI ist attraktiv

Doch das Verbot ist nicht durchsetzbar. Bald sieht man überall in den westlichen Besatzungszonen alliierte Soldaten und deutsche Frauen Arm in Arm die Straßen entlang flanieren. Danny Militello kommt 1945 als amerikanischer GI nach Hessen. "Man hatte uns befohlen, in Bad Nauheim versprengte deutsche Soldaten aufzugreifen", erinnert er sich. Gemeinsam mit seinen Kameraden fährt er am Kurpark der Stadt vorbei und erblickt drei Mädchen, unter ihnen Katharina, in die er sich verliebt. "Der GI war attraktiv in vielerlei Hinsicht", sagt der Historiker Johannes Kleinschmidt, der in seiner Doktorarbeit zum Fraternisierungsverbot geforscht hat. "Er hatte Zugang zu Lebensmitteln, die in Deutschland sehr knapp waren. Und auch sonst waren die Amerikaner viel lockerer." Der Schriftsteller Wolfgang Koeppen schreibt in seinem Nachkriegsroman "Tauben im Gras" über die US-Soldaten: "Sie waren nicht so mit Schicksal und Angst, Zweifel, Vergangenheit und Aussichtslosigkeit belastet wie die deutschen Männer. … Um die Jungens war die Luft der weiten Welt; der Zauber der Ferne, aus der sie kamen, verschönte sie."

US-Soldaten dürfen mit Frauen ausgehen, aber sie nicht heiraten

Katharina und Danny Militello erleben einen Sommer voller Schokolade und Romantik. Im Oktober 1945, als das Verbrüderungsverbot offiziell aufgehoben wird, ist Katharina schwanger. Die Soldaten dürfen nun zwar mit deutschen Frauen ausgehen, sie aber nicht heiraten. Der Historiker Johannes Kleinschmidt sagt: "Man hatte in den USA das Gefühl, die deutschen Fräuleins wollten vielleicht nur einwandern. Die Heirat zwischen den ehemaligen Feinden war immer noch relativ undenkbar." Also verlässt Danny Militello die Armee und kehrt in die USA zurück, um sich von dort aus für ein Visum zu bewerben. Denn als Zivilist, so sein Kalkül, könne ihm keiner das Heiraten verbieten. Doch der Visumsantrag wird abgelehnt. Er wendet sich an die Presse. "Ist es ein Verbrechen zu heiraten?" titelt seine Lokalzeitung aus Brooklyn, New York. Wenig später diskutiert man in den USA über das Heiratsverbot. Sogar Eleanor Roosevelt, Witwe des kurz vor Kriegsende gestorbenen US-Präsidenten, mischt sich ein: "Jeder unserer Boys, der eine Deutsche heiraten will, sollte sich ganz sicher sein, dass er sich dort drüben nicht einfach nur ein wenig einsam gefühlt hat. Deshalb sollte er für mindestens vier Monate nach Amerika zurückkehren – und sich erst dann entscheiden."

Vor allem schwarzen GIs wird die Ehe verweigert

Danny Militello heuert auf einem Ozeandampfer Richtung Hamburg an. Dort geht er illegal von Bord und schlägt sich bis nach Hessen zu Katharina durch. "Und Katie lief auf mich zu mit dem Baby im Bauch. Als wir uns so sahen, das war einer der größten Augenblicke in meinem Leben." Immer mehr heiratswillige GIs folgen seinem Beispiel und beschweren sich. Zudem wird Deutschland nach Beginn des Kalten Kriegs zu einem wichtigen Verbündeten der USA. Im Mai 1947 darf das erste Paar heiraten – nach Antrag beim kommandierenden Offizier. Gut der Hälfte aller Paare wird die Genehmigung verweigert, besonders häufig schwarzen GIs. Bis 1949 werden insgesamt 20.000 deutsch-amerikanische und 10.000 deutsch-britische Ehen geschlossen.

Aus Katharina wird Katie

Katharina, nun Katie, wandert mit Danny Militello kurz nach der Geburt ihres Sohnes in die USA aus. Am Flughafen erwartet sie die Großfamilie Militello, die selbst erst vor einer Generation von Italien nach Amerika gekommen ist.

Stand: 29.05.2012

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