18. April 1947 - Militäranlagen auf Helgoland werden gesprengt

Helgoland nach der Sprengung der Militäranlagen am 18. April 1947

Stichtag

18. April 1947 - Militäranlagen auf Helgoland werden gesprengt

Die einzige Hochsee-Insel Deutschlands liegt etwa 65 Kilometer von Cuxhaven entfernt: Helgoland gehört zu Schleswig-Holstein und wird jährlich von 300.000 Touristen besucht. Selbst zählt die Insel lediglich rund 1.500 Bewohner und ist nur knapp zwei Quadratkilometer groß.

Das Buntsandstein-Massiv mit seinen roten Felsen hat eine wechselvolle Geschichte: Im Mittelalter dient Helgoland Seeräubern als Stützpunkt. 1714 kommt das Nordsee-Eiland in die Hände der Herzöge von Schleswig-Holstein, die damals der dänischen Krone unterstehen. 1807 übernimmt Großbritannien die Hoheit und behält sie bis 1890. Dann geht die Insel durch den Helgoland-Sansibar-Vertrag an das Deutsche Reich. Die Briten erhalten dafür Sansibar als Protektorat. Da Helgoland eine große strategische Bedeutung hat, lässt Kaiser Wilhelm die Insel als maritime Festung ausbauen.

"Projekt Hummerschere"

Nach dem Ersten Weltkrieg wird der weitere Ausbau der Seefestung durch den Versailler Vertrag zunächst gestoppt, in der Nazi-Zeit aber fortgesetzt. "Das 'Projekt Hummerschere' existierte seit etwa 1935 in den Köpfen der nationalsozialistischen Herrscher", sagt der Historiker Martin Krieger von der Universität Kiel. Die Grundfläche von Helgoland sollte massiv vergrößert und ein riesiger Flottenstützpunkt angelegt werden. Doch während des Zweiten Weltkriegs wird das Projekt auf Eis gelegt. "Das Einzige, was letztendlich existierte, war ein gigantischer U-Boot-Bunker im Süden der Insel mit bis zu vier Meter dicken Decken, die praktisch unzerstörbar waren für konventionelle Bomben."

Kurz vor Kriegsende beschließt die britische Luftwaffe, Helgoland unbewohnbar zu machen. Rund 1.000 Flugzeuge greifen am 18. April 1945 an. 128 Menschen sterben, kein Haus bleibt stehen. Die Helgoländer müssen ihre Insel verlassen. Die Insel wird nun von den Engländern als Bombenübungsplatz genutzt. Sie nennen sie "Hell go Land", das Land, das zur Hölle geht.

7.000 Tonnen Sprengstoff

Auf den Tag genau nach der Bombardierung Helgolands befehlen die Briten die "Operation Big Bang": die Sprengung der Militäranlagen der Wehrmacht. "Im August 1945 wurde ja auf der Potsdamer Konferenz beschlossen, Deutschland so weit wie möglich zu entmilitarisieren; und dazu gehörte eben auch die Zerstörung der Verteidigungsanlagen auf Helgoland", sagt Historiker Krieger. Die Aktion beginnt am 18. April 1947 gegen 13 Uhr. Rund 7.000 Tonnen Sprengstoff lassen die Insel beben, eine kilometerhohe Rauchwolke ist noch in Cuxhaven sichtbar. "Etwa 70.000 Quadratmeter der Südspitze Helgolands waren im Meer versunken, der übrige Teil der Insel samt der berühmten langen Anna stand nach wie vor", so Krieger.

Nach zähen Verhandlungen mit den Briten gibt Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) bekannt, dass die Insel am 1. März 1952 wieder in die deutsche Verwaltung übergeht. Danach kehren viele der ehemaligen Bewohner wieder zurück. Helgoland wird zum Seebad.

Stand: 18.04.2012

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