12. März 1992 - Premiere der Filmkomödie "Schtonk"

"Schtonk!" auf DVD und Blu-ray, Filmszene

Stichtag

12. März 1992 - Premiere der Filmkomödie "Schtonk"

"Hitlers Tagebücher entdeckt" titelt die Illustrierte "Stern" im April 1983. "Große Teile der deutschen Geschichte" müssten neu geschrieben werden.

Doch was zunächst als Sensation des Jahrhunderts daher kommt, ist einer der größten Medienskandale der Bundesrepublik: Die geheimen Tagebücher, an denen Hitler angeblich von 1932 bis 1945 geschrieben haben soll, sind eine Fälschung. Es stellt sich nachträglich heraus, dass die Bücher erst nach dem Zweiten Weltkrieg hergestellt worden sind. Der bereits begonnene Abdruck der Tagebuch-Serie wird gestoppt. Der Verlag des "Stern" hatte aus dubiosen Quellen 60 Exemplare der gefälschten Aufzeichnungen gekauft - für 9,3 Millionen Mark.

Über diese Blamage dreht Regisseur Helmut Dietl eine Filmkomödie. Sie trägt den Titel "Schtonk" - zum einen, so Dietl, weil es wie "Stunk" klingt, zum anderen, weil Charlie Chaplin das Wort in seiner Adolf-Hitler-Filmparodie "Der große Diktator" mehrmals fallen lässt. Dietl hat sich mit Fernseharbeiten wie "Münchner G'schichten", "Monaco Franze" und "Kir Royal" einen Namen gemacht. An "Schtonk" feilt er gemeinsam mit Autor Ulrich Limmer fünf Jahre lang, es ist sein erster Kinofilm. Alles soll passen, von der Besetzung bis zu den Drehorten. Fast 16 Millionen Mark kostet die Produktion. Es ist die bis dahin teuerste deutsche Komödie.

"Die deutsche Mentalität aufzeigen"

"Schtonk" feiert am 12. März 1992 Premiere. Der Film liefert fast eins zu eins die Bilder zum Skandal. Götz George spielt den Journalisten Hermann Willié, der Sensationsreporter beim der Hamburger Zeitung "HH-Press" ist. Uwe Ochsenknecht gibt den versierten Kunstfälscher Fritz Knobel, der die Handschrift Hitlers täuschend echt nachahmen kann. Beide haben nicht nur Geldprobleme, sondern auch einen "Führer"-Fimmel. Bei einem Altnazi-Treffen begegnet Reporter Willié dem Fälscher Knobel, der ihm von unentdeckten, geheimen Hitler-Tagebüchern erzählt. Die schreibt Knobel selbst: "6. Februar 1943. Meine Gesundheit lässt durch die Anstrengung der letzten Wochen sehr zu wünschen übrig. Habe offenbar durch das Fahren im offenen Auto eine sehr starke Erkältung geholt. Habe 39,5 Fieber."

Willié ist begeistert, seine Chefredaktion allerdings wehrt sich gegen die braune Geschichte: "Solange wir hier sitzen, schmieren wir uns kein Hakenkreuz aufs Titelblatt." Die Verlagsleitung aber öffnet den Tresor und gibt Willié grünes Licht für den Kauf der Tagebücher. Für Dietl stehen in der Filmhandlung nicht so sehr die konkreten Verhaltensweisen von Journalist, Fälscher und Zeitung: "Sondern mir lag daran, einen Teil der deutschen Mentalität eben anhand dieser Geschichte aufzuzeigen", das immer noch vorhandene Obrigkeitsdenken und den Untertanengeist.

Für einen Oscar nominiert

Dietl zeigt, wie die Abwehr der Nazi-Vergangenheit noch immer mit einer eigentümlichen Faszination verbunden ist: Dass der Diktator, so der Regisseur, "vielleicht doch ein viel netterer Mensch gewesen sei, als man annimmt - und die Schweine waren ein paar undefinierbare, anonyme andere."

Trotz einer Oscar-Nominierung als bester nicht-englischsprachiger Film hat "Schtonk" beim Publikum allerdings nicht den erwarteten Erfolg. Nur zwei Millionen Zuschauer wollen in der Bundesrepublik über Dietls Kinofilm lachen. Das spielt lediglich die Produktionskosten ein.

Stand: 12.03.2012

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