22. Januar 1952 – Gesetz zum Schornsteinfegerwesen verabschiedet

Schornsteinfeger

Stichtag

22. Januar 1952 – Gesetz zum Schornsteinfegerwesen verabschiedet

Michael Neuhäußer ist ein Mann zum Anfassen. Das hat vor allem mit seinem Beruf zu tun: Michael Neuhäußer ist Schornsteinfeger, und die verheißen seit jeher Glück. "Gerade wenn man in der traditionellen Kluft mit Zylinder unterwegs ist, wird man angesprochen", sagt Neuhäußer. Immer noch kämen Menschen auf ihn zu, um sich "eine rußige Nase oder einen Händedruck" abzuholen.

Selbstständige Staatsdiener

Das positive Image des Schornsteinfegers, das ihn in eine Reihe mit vierblättrigem Klee und Glücksschweinen stellt, stammt aus dem Mittelalter. In den immer dichter besiedelten Städten lösen damals nicht gekehrte Feuerungsanlagen verheerende Großbrände aus. Schornsteinfeger sorgen da für nicht zu unterschätzende Sicherheit – ein Umstand, der auf ihr Ansehen in der Bevölkerung abfärbt.

Später wird das Schornsteinfegerwesen in Deutschland staatlich systematisiert. Um regelmäßige Kontrollen sicherzustellen, werden in der Weimarer Republik feste Kehrbezirke eingerichtet. Die gibt es immer noch: Momentan sind es bundesweit 8.500.

Nieder mit dem Kehrmonopol!

In Deutschland sind Schornsteinfeger selbstständig und zugleich im Auftrag des Staates unterwegs. Damit bei dieser Doppelfunktion alles korrekt abläuft, verabschiedet der Bundestag am 22. Januar 1952 das Gesetz zur Ordnung des Schornsteinfegerwesens. In 60 Paragraphen regelt es unter anderem Pflichten und Aufgaben von Bezirksschornsteinfegern – von der Bewerbung über die Bestellung und Probezeit bis zur Versetzung in den Ruhestand.

Für die einzelnen Kehrbezirke sind Bezirksschornsteinfegermeister verantwortlich. Sie arbeiten nach festgesetzten Preisen – und ohne Konkurrenz. Die EU-Kommission hat darin einen "Verstoß gegen den freien Dienstleistungsverkehr" gesehen und deshalb die Abschaffung des deutschen Kehrmonopols gefordert. Ab 2013 wird der Kaminkehrermarkt liberalisiert.

Bezirksschornsteinfegermeister Michael Neuhäußer sieht die Entwicklung gelassen. Er hofft auf Energieberatung als neues Aufgabenfeld. "Der Trend geht hin zu Niedrigenergiehäusern, zu Passivenergiehäusern, zu Mikrokraftwerkanlagen", ist er überzeugt. Damit werde sich das Schornsteinfegerhandwerk in Zukunft befassen: "Und ich denke, das wird uns gelingen".

Stand: 22.01.2012

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