15. Dezember 1961 - Todesurteil gegen Adolf Eichmann in Jerusalem

Jerusalem, 13.07.1961. Prozess gegen Adolf Eichmann, ehemaliger SS-Obersturmbannführer, hier in Glaszelle

Stichtag

15. Dezember 1961 - Todesurteil gegen Adolf Eichmann in Jerusalem

Adolf Eichmann spricht: "Ich war sehr genau, sehr genau und habe gemäß den Vorschriften und Befehlen gehorcht." Seit April 1961 steht er vor dem Bezirksgericht von Jerusalem, angeklagt wegen Verbrechen gegen das jüdische Volk, gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen. In der Diktatur der Nationalsozialisten organisierte SS-Obersturmbannführer Eichmann seit 1938 die Transporte von fünf Millionen Juden in die Vernichtungslager; vor allem nach Treblinka, Majdanek, Sobibor, Auschwitz. Eichmann stellt sich als Transportfachmann hin: "Ich hatte den Befehl, den Fahrplan zu erstellen und alles, was damit zusammenhing." Er sagt über die Juden: "Ich habe sie nicht vernichtet." Vielmehr habe er sie "ausgesiedelt", "abbefördert", "evakuiert". Er hat am Schreibtisch gesessen, im Reichssicherheitshauptamt in Berlin. Ab 1941 leitete er das Referat B 4 für Judenangelegenheiten, Räumungsangelegenheiten, das sogenannte "Judenreferat".

"Der Führer hat die physische Vernichtung der Juden befohlen"

In seiner Rede im Berliner Sportpalast am 30. Januar 1942 sagt Hitler, "dass das Ergebnis dieses Krieges die Vernichtung des Judentums ist." Obwohl die Ermittlungen der israelischen Staatsanwaltschaft erhebliche Lücken aufweisen, wird Adolf Eichmann eine maßgebliche Rolle nachgewiesen an der perfekten Durchführung von Hitlers "Endlösung". Er trieb seine Aufgaben mit Eifer und Enthusiasmus voran, war mehr als nur Befehlsempfänger. Im Prozess berichtet er vom Jahr 1941. "Es war jedenfalls Spätsommer, als Heydrich mich zu sich befahl. Und er sagte mir: 'Der Führer hat die physische Vernichtung der Juden befohlen', und dann wusste ich Bescheid und habe nichts drauf gesagt, weil ich nichts mehr dazu sagen konnte."

Priorität für Eichmanns Züge

Der stellvertretende Ankläger, Staatsanwalt Gabriel Bach, hat 1.500 Aktenseiten gesammelt, die Eichmann belasten. "Besonders zum Ende des Krieges, da wurde es eine Art Obsession bei ihm. Als die deutschen Generäle an der Ostfront inständig um jeden Zug mit Munition und Verstärkung gebeten hatten, da hat er mit List und Tücke Priorität bekommen für seine Todeszüge. Und er hat einigen seiner Freunde gesagt: 'Ich weiß, der Krieg ist verloren. Aber ich werde meinen Krieg noch gewinnen.' Und dann fuhr er nach Auschwitz, um die Tötung von 10.000 pro Tag auf 12.000 pro Tag heraufzubringen."

Eichmann als zentrale Figur der Judenvernichtung?

1945 taucht Adolf Eichmann unter, erst in der Lüneburger Heide, dann unter dem Decknamen Riccardo Klement in Argentinien. 1960 entführt ihn der israelische Geheimdienst und bringt ihn nach Jerusalem. Viele Prozessbeobachter kritisieren das Verfahren gegen Eichmann. Generalstaatsanwalt Gideon Hausner stellt Eichmann als zentrale Figur der Judenvernichtung dar, ohne die Befehlskette der Mordmaschinerie näher zu analysieren. Die Zeugenaussagen sind emotional wirkungsvoll, viele haben aber keinen Bezug zum Täter Eichmann.

Eichmann plädiert für nicht schuldig

Bis zum letzten Prozesstag, dem 15. Dezember 1961, beteuert Eichmann, der Angeklagte mit schütterem Haar und dicker Brille, er sei im Sinne der Anklage nicht schuldig. "Mein Wille war nicht, Menschen umzubringen", sagt er im Schlusswort. "Die Führerschicht, zu der ich nicht gehörte, hat die Befehle gegeben, sie hat, meines Erachtens, mit Recht Strafe verdient für die Gräuel, die auf ihren Befehl hin an den Opfern begangen wurden. Aber auch die Untergebenen sind jetzt Opfer. Ich bin ein solches Opfer." Das Gericht verurteilt Adolf Eichmann zum Tode. Der Vorsitzende Richter Mosche Landau argumentiert, dass jeder Zug mit tausend Menschen, der nach Auschwitz abgeschickt wurde, eine Beteiligung des Angeklagten am Mord von tausend Menschen bedeute. Wer sich an diesen Aktionen beteiligte, sei juristisch und moralisch ebenso mitschuldig wie jene, die die Vergasung ins Werk setzten. Nach Ablehnung der Berufung wird am 31. Mai 1962 zum ersten und einzigen Mal in der Geschichte Israels die Todesstrafe vollstreckt und Eichmanns Asche über dem Meer verstreut.

Stand: 15.12.2011

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