26. Dezember 1971 - Der Fernseh-Mehrteiler "Der Seewolf" endet

Raimund Harmstorf (als Wolf Larsen, genannt Seewolf )(l.) und Humphrey von Weyden (als Edward Meeks) in einer Szene des Mehrteilers "Der Seewolf"

Stichtag

26. Dezember 1971 - Der Fernseh-Mehrteiler "Der Seewolf" endet

"Robinson Crusoe", "Die Schatzinsel", "Tom Sawyers und Huckleberry Finns Abenteuer" - in den 1960er und 1970er Jahren sendet das ZDF Abenteuervierteiler zur Weihnachtszeit. Als ein Höhepunkt der Serie gilt "Der Seewolf". Verfilmt wurden dafür neben dem gleichnamigen Roman von Jack London auch mehrere Erzählungen des amerikanischen Autors.

Der Film, der Anfang des 20. Jahrhunderts spielt, beginnt mit einer Rettung: Der Schriftsteller Humphrey van Weyden - gespielt von Edward Meeks - kommt bei einem Schiffsunglück in der Bucht von San Francisco fast ums Leben. Besinnungslos wird er von der Mannschaft des Robbenschoners "Ghost" aus den eiskalten Fluten gezogen.

Ehemaliger Zehnkämpfer als "Seewolf"

Der brutale und gnadenlose Kapitän Wolf Larsen des Schiffs wird von den Matrosen "Seewolf" genannt. Für die Rolle wird ein athletischer Schauspieler gesucht. Regisseur Wolfgang Staudte erinnert sich an den ehemaligen Zehnkämpfer Raimund Harmstorf, der als "Seewolf" schlagartig zum Star wird.

Kapitän Larsen, der gerne dünne Zigarillos raucht, terrorisiert die Mannschaft der "Ghost". Mit Gewaltausbrüchen und drakonischen Strafen reagiert er auf jede Form von Auflehnung und Rebellion. Um seine Kraft zu demonstrieren, zerquetscht der "Seewolf" im ersten Teil eine angeblich rohe Kartoffel mit bloßer Hand. Die Idee dazu hat Darsteller Harmstorf. Daraus wird eine der bekanntesten Szenen der bundesdeutschen Fernsehgeschichte. Als Harmstorf später Theater spielt, wirft ihm das Publikum keine Blumen, sondern Kartoffeln zu.

Stimme synchronisiert

Für die Produktion des Vierteilers sind zwei Millionen Mark veranschlagt. Die Kosten steigen schließlich auf 5,6 Millionen Mark. Mit ein Grund dafür sind einige Unwägbarkeiten: Die "Ghost", die für eine Million Mark in Rumänien gebaut wird, soll zum Drehort gesegelt werden. Doch die Matrosen sind betrunken und landen mit wehender US-Flagge in sowjetischen Gewässern. Das Boot wird eine Woche beschlagnahmt. Zudem müssen die Szenen mit dem Schiffskoch im Hafen nachgedreht werden, weil er auf dem Meer ständig seekrank geworden ist.

Kurios ist auch, dass Harmstorf in seiner Rolle als "Seewolf" synchronisiert wird. Dem Produzenten Walter Ulbrich spricht er offenbar ein zu wenig markante Stimme - obwohl Harmstorf damals in anderen Filmen bereits die deutsche Stimme von Steve McQueen spricht. Als der vierte und letzte Teil des "Seewolfs" am 26. Dezember 1971 ausgestrahlt wird, sind die Hälfte aller bundesdeutschen Fernseher eingeschaltet.

Stand: 26.12.2011

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