27. August 1991 – Teddy Stauffer stirbt in Acapulco

Swing-König Teddy Stauffer

Stichtag

27. August 1991 – Teddy Stauffer stirbt in Acapulco

Im Sommer 1936 steht Berlin im Bann der Olympischen Spiele. Adolf Hitler will, dass sich die Reichshauptstadt weltoffen präsentiert. Die "Juden verboten"-Schilder sind entfernt, die SS-Trupps halten sich mit Aufmärschen zurück – und statt martialischer Marschmusik klingen Swing-Töne durch die Straßen. Jeden Nachmittag lädt Teddy Stauffer mit seinen "Original Teddies" im Unterhaltungspalast "Delphi" zum Tanztee.

Im Delphi sei sein Orchester letztlich bekannt geworden, wird sich Stauffer später erinnern. "Es gab da auch ein Gartenlokal, und die Leute, die kein Geld hatten, die waren mit ihren Fahrrädern auf der Straße, die haben uns nur gehört von der Straße am Delphi."

Offiziell erfolgreich mit verbotener Musik

Geboren wird Teddy Stauffer 1909 als Ernest Henry Stauffer im schweizerischen Murten. In Bern spielt er in den 20er Jahren Saxofon und Geige, 1929 geht er mittellos nach Berlin. Zwei Wochen vor Eröffnung der Olympischen Spiele produziert er mit "Goddy, Goody" seine erste Swing-Schallplatte; sie wird zu einem Riesenerfolg, den die Nationalsozialisten für ihre Propagandazwecke nutzen. Obwohl die "Negermusik" seit Oktober 1935 offiziell verboten ist, darf er im "Delphi" spielen.

200 Reichsmark verdient Stauffer als Tagesgage; fast alle Musiker seiner Band leisten sich ein Auto. Bis zu Kriegsbeginn erscheinen bei Telefunken 48 Schallplatten mit dem beliebten Musiker.

"Mr. Acapulco"

Hitlers Überfall auf Polen 1939 überrascht Stauffer bei einer Konzertreise in Zürich. Von einem Tag auf den nächsten ist seine Band Geschichte, ihre Mitglieder zerstreuen sich in alle Welt. Stauffer will als Musikkomponist nach Hollywood, bleibt aber ohne gültige Aufenthaltserlaubnis in Mexiko hängen.

1942 verschlägt es Stauffer nach Acapulco, wo er aus dem verschlafenen Fischerdorf am Pazifik einen Treffpunkt des internationalen Jetsets macht: Josephine Baker, Errol Flynn, Clark Gable und die Kennedys zeigen sich gern in den von ihm geleiteten Hotels und Klubs.

50 Jahre lang bleibt Stauffer in Acapulco, das er als "Mr. Acapulco" weltberühmt macht. Hier stirbt er auch am 27. August 1991. Seine Asche wird im Pazifik verstreut.

Stand: 27.08.2011

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