13. August 2004 - Vor 10 Jahren: Manfred Wörner stirbt

Stichtag

13. August 2004 - Vor 10 Jahren: Manfred Wörner stirbt

"Seine besondere Liebe galt der Bundeswehr", sagt Bundeskanzler Helmut Kohl beim Staatsakt am 23. August 1994 für den verstorbenen Nato-Generalsekretär Manfred Wörner. Wie ein roter Faden zieht sich das Militärische durch das Leben Wörners. Der Sohn eines schwäbischen Textilunternehmers erhält seinen Vornamen Manfred zur Erinnerung an den Roten Baron, Manfred von Richthofen, den erfolgreichsten deutschen Jagdflieger des Ersten Weltkrieges. Wörner studiert Rechtswissenschaften und promoviert über das Thema "Strafgerichtsbarkeit über Truppen auf befreundeten Staatsgebieten". 1953 tritt er in die CDU ein und arbeitet als parlamentarischer Berater beim Landtag von Baden-Württemberg, bevor er 1965 als jüngstes Mitglied in den Bundestag gewählt wird. Obwohl er 1934 geboren ist und damit zu einem "weißen Jahrgang" gehört, der nicht zum Wehrdienst muss, lässt Wörner sich als Kopilot auf dem "Starfighter" ausbilden und erwirbt den Militärflugführerschein.Als Kohl ihn 1982 zum Verteidigungsminister macht, ist Wörner Oberstleutnant der Reserve. Er setzt sich für die Nato-Nachrüstung, die Verlängerung der Wehrpflicht und eine bessere Bewaffnung der Bundeswehr ein. Er plädiert auch für eine Beteiligung an Ronald Reagans SDI-Waffenplänen im Weltraum und für eine Modernisierung der atomaren Kurzstreckenraketen. Dieses Engagement bringt ihm den Ruf als kalter Krieger ein. Im Dezember 1983 ruiniert der als schneidig, forsch und machtfroh beschriebene Wörner beinahe seine Laufbahn. Er entlässt General Günter Kießling. Der Grund: Der ranghöchste deutsche Offizier bei der Nato soll homosexuell und damit ein Sicherheitsrisiko sein. Die Vorwürfe sind falsch und Kießling wird rehabilitiert. Wörner bietet seinen Rücktritt an, doch Kohl hält an seinem Minister fest und setzt ihn 1988 sogar gegen zahlreiche Widerstände als neuen Nato-Generalsekretär durch.

Wörner erwirbt sich rasch internationale Anerkennung. Er gilt als diplomatischer Moderator zwischen den Interessen der damals 16 Mitgliedsstaaten des Atlantischen Bündnisses. Nach dem Zusammenbruch des Warschauer Paktes sucht er den Dialog mit dem Osten. Im Februar 1994 befehligt er den ersten Kampfeinsatz der Nato: Vier serbische Flugzeuge werden abgeschossen, als sie in die von den Vereinten Nationen verhängte Flugverbotszone über Bosnien-Herzegowina eindringen. Gesundheitlich kämpft Wörner in dieser Zeit gegen eine schwere Krankheit. Der 1992 diagnostizierte Darmkrebs hat ihn stark abmagern lassen. Er unterzieht sich mehreren Operationen - ohne Erfolg. Manfred Wörner stirbt am 13. August 1994 im Alter von 59 Jahren in seiner Dienstwohnung in Brüssel.

Stand: 13.08.04