Godzilla zerstört Hochhaus

Stichtag

10. August 1956 - "Godzilla" startet in Deutschland

Durch "Little Boy" und "Fat Man" erleidet Japan 1945 eine bis dahin unvorstellbare nukleare Katastrophe. Die US-Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki stürzen ganz Japan in ein Trauma von Verwundbarkeit und Ausgeliefertsein. Nippons Filmindustrie hilft, dieses Trauma zu überwinden: Sie schafft ein Ungeheuer, scheinbar unbesiegbarer als die Amerikaner. Bezwungen wird es jedoch durch eine japanische Vernichtungswaffe, die selbst den apokalyptischen Schrecken der Atombombe noch in den Schatten stellt.

So stürmt "Godzilla" (Originaltitel: "Gojira") 1954 in die japanischen Kinos. Der Monster-Horror beginnt bei den pazifischen Odo-Inseln, nahe des Bikini-Atolls, dem wahren Schauplatz amerikanischer Atomtests. Nach unerklärlichen Schiffsunglücken stellen Wissenschaftler dort eine hohe radioaktive Verseuchung fest.

Horrormärchen als Warnung

Offenbar aufgescheucht durch Nuklearversuche, entsteigt ein turmhohes, Tyrannosaurus-Rex-ähnliches Ungeheuer dem Ozean und verwandelt die Bucht von Tokio in ein brennendes Inferno. Weder Panzer noch Düsenjets können das radioaktive Flammen speiende Ur-Monster stoppen. Retter in der Not ist Dr. Daisuke Serizawa. Während des Zweiten Weltkriegs hat der Chemiker den Oxygen-Zerstörer entwickelt, eine grauenvolle Waffe, die jedes Leben auf der Erde auslöschen kann.

Im tödlichen Kamikazeeinsatz bringt Dr. Serizawa Godzilla schließlich mit dem Oxygen-Zerstörer zur Strecke. Das Monster versinkt wieder in den Tiefen des Meeres, doch das Horrormärchen endet mit einer Warnung: "Mit der Vernichtung des Godzilla ist die Gefahr für uns alle nicht aus der Welt geschafft. Wenn wir in maßloser Vergessenheit fortfahren, die Atomkraft zu missbrauchen, kann es sein, dass Schlimmeres geweckt wird, kann es sein, dass größeres Unheil über uns hereinbricht als dieser Godzilla."

Unsterblicher Monster-Mythos

Die grüne Urzeit-Bestie als filmgewordene Verkörperung der Atomgefahr wird nicht nur in Japan, sondern weltweit zum Kassenschlager. Am 10. August 1956 feiert der Streifen auch in der Bundesrepublik eine erfolgreiche Premiere. Zahllose Fortsetzungen, Mutationen und Remakes des Stoffes – zuletzt 1998 von Roland Emmerich – haben bewiesen, dass Regisseur Inoshiro Honda mit "Godzilla" die Schaffung eines unsterblichen Mythos des Monster-Genres gelungen ist.

2004 ehrt Hollywood King Kongs bösen Vetter aus Japan zum 50. Geburtstag mit einem Stern auf dem berühmten Walk of Fame. Dass auch "Godzilla" schon ein Remake eines Hollywood-Films war, wissen heute nur noch echte Kenner: Bereits 1953 stampft in "Panik in New York" ein von Nukleartests wiederbelebter Saurier durch den Vergnügungspark in Coney Island. Anders als Inoshiro Hondas "Godzilla" erweist sich die Originalstory aber als typische Ausgeburt des Kalten Krieges: Eine Atombombe macht dem Aggressor kurzerhand den Garaus.

Stand: 10.08.2011

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