16. Januar 2007 - Vor 460 Jahren: Iwan der Schreckliche zum ersten Zaren gekrönt

Stichtag

16. Januar 2007 - Vor 460 Jahren: Iwan der Schreckliche zum ersten Zaren gekrönt

Zur Zeit von Iwans Geburt 1530 ist Russland noch ein halb barbarisches Land. Wirtschaftlich und politisch liegt es nicht nur hinter Westeuropa, sondern auch hinter den mitteleuropäischen Nachbarn weit zurück. 1533 stirbt Iwans Vater, Großfürst Wassilij III. und die mächtigsten Adelsfamilien Russlands, die Bojaren, übernehmen die Regentschaft. Am 16. Januar 1547, im Alter von 16 Jahren, setzt Großfürst Iwan IV. seine Krönung zum ersten Zaren Russlands durch. Der neue Herrschertitel ist dem oströmischen Kaisertum entlehnt und soll Iwans Hegemonieanspruch über die Bojaren unterstreichen. Die staatsmännische Leistung des ersten russischen Zaren besteht darin, dass er dem zerfaserten Riesenreich in seiner ersten Regierungsphase ein zentrales Verwaltungs- und Rechtssystem gibt. Er holt westliche Fachleute, Ärzte, Techniker und Handwerker, ins Land und verstärkt die Handelsbeziehungen mit England und Holland.
Seinen Beinamen "der Schreckliche" trägt Iwan IV., im übrigen ein hochintelligenter Mann, trotzdem zu Recht, auch wenn dieser auf einem Übersetzungsfehler beruht. Das russische "groznyi" bedeutet eigentlich "ehrfurchtgebietend". Iwans bizarre Persönlichkeit wurde immer wieder unterschiedlich gedeutet. Einig sind sich die Biografen darin, dass er ein krankhaft misstrauischer, von wahnhaften Zwängen besessener Mensch war, der die meisten Jahre seines Lebens unter kaum erträglichen körperlichen Schmerzen leidet. Schon in Iwans Kindheit offenbart sich ein stark übersteigertes Selbstgefühl, Brutalität und Gefühlskälte. Als 14-Jähriger lässt der unmündige Herrscher zum Spaß Menschen von Hausdächern stoßen oder ihnen für Unhöflichkeiten die Zunge herausschneiden. Während der meisten seiner 37 Regierungsjahre führt Iwan der Schreckliche Krieg. Doch seine Eroberungen verurteilen das Reich letztlich nur zu schier endlosen Kämpfen mit nichtrussischen Stämmen innerhalb der eigenen Grenzen und zu einer Auszehrung, von der sich Russland lange nicht erholt. Iwans jahrelanger, blutiger Kampf gegen die Vormachtstellung der Bojaren führt das Land in die dunkelste und schrecklichste Epoche seiner Regierungszeit, die Zeit der Opritschnina ("das Abgesonderte").

Angeblich zum Schutz seines Lebens annektiert der Zar etliche wirtschaftlich oder strategisch wichtige Territorien und fügt sie zu einem Staat im Staate zusammen, in dem er alle echten und vermeintlichen Feinde ermorden oder vertreiben lässt. Als Vollzugsorgan bildet Iwan dazu eine schwarz gekleidete Sondertruppe, die das ganze Land mit blutigen Gräueltaten in Angst und Schrecken hält. Den Höhepunkt erreicht der Terror der Opritschnina mit der legendären Verwüstung Nowgorods im Jahr 1570. Sein persönliches Ende leitet der moralisch wie physisch völlig zerrüttete Iwan selbst ein, als er im November 1581 seinen eigenen Sohn im Jähzorn erschlägt. Kurz bevor er am 18. März 1582, vermutlich wegen einer Vergiftung, beim Schachspiel tot zusammenbricht, lässt der von Reue geplagte Gewaltherrscher ein umfassendes Verzeichnis seiner Opfer anlegen. Historiker gehen davon aus, dass dem Terror-Regime Iwans des Schrecklichen rund 6.000 Menschen zum Opfer gefallen sind. Nur zum Vergleich: Allein in der von Iwans Zeitgenossin Katharina von Medici 1572 angezettelten Bartholomäusnacht werden mindestens 10.000 Hugenotten umgebracht.

Stand: 16.01.07