02. Januar 2007 - Vor 305 Jahren: Gründung der sogenannten "Buttlarschen Rotte"

Stichtag

02. Januar 2007 - Vor 305 Jahren: Gründung der sogenannten "Buttlarschen Rotte"

Eva Margarethe von Buttlar wird 1670 in Barchfeld an der Werra geboren. Nach dem Tod ihres Vaters verheiratet ihre Familie die erst 17-Jährige mit dem Prinzenerzieher Jean de Vesias am Hof von Eisenach. Aber Frau von Buttlar sucht der Welt zu entkommen, in die sie hineingezwungen wurde. Sie findet Zugang zu Kreisen radikaler Pietisten, frommer Leute, die in der Bibel lesen, aber das Heil nicht in der Kirche suchen, sondern in der unmittelbaren, persönlichen Gotteserfahrung.
Bald fühlt sich Eva von Buttlar von Gott erweckt und berufen. Sie verweigert Gottesdienst und Abendmahl und wird dafür zunächst aus der Gemeinde ausgeschlossen, dann des Landes verwiesen. Ohne ihren Mann zieht sie Jahre lang in Mitteldeutschland umher, getragen von einem Netzwerk ähnlich gesinnter Kreise. Schließlich gründet sie gemeinsam mit dem Theologen Justus Winter und dem Medizinstudenten Johann Georg Appenfeller eine "christliche und philadelphische Sozietät". Das soll am 2. Januar 1702 gewesen sein. Die Gruppe bildet eine Lebensgemeinschaft, sie hat etwa 20 Mitglieder.
1704 bietet der Graf zu Sayn-Wittgenstein der Gruppe die Pacht eines abgelegenen Hofes in Saßmannshausen bei Laasphe an. Der sauerländische Graf ist verarmt. Er scheint mit der Gruppe wohlhabender Frommer auch materielle Ziele zu verfolgen. Aber die Sozietät wird in Laasphe nicht heimisch. Die Bauern, der Pfarrer, alle hassen sie als Außenseiter. Bald sind wilde Gerüchte im Umlauf über Gotteslästerungen, Unzucht, Abtreibungen und Mord an Säuglingen. Die Gruppe wird nur die "Buttlarsche Rotte" genannt. Man verhaftet sie und macht ihnen den Prozess. Aber der Graf verhilft den Angeklagten zur Flucht - auch dies nicht ohne Eigennutz: Er konfisziert ihr Vermögen, während sie erst ins Paderborner Land, später nach Altona bei Hamburg entkommen.

Das Bild der "Buttlarschen Rotte" wird bis heute von den Prozessakten geprägt, in welchen die voreingenommene Bevölkerung, der mit ihnen verfeindete Vorpächter des Hofes und der Ortspfarrer ihre Aussagen machen. Deshalb bleiben die wahren Vorstellungen der Gruppe unklar. Tatsächlich sind Eva und Johann Georg ein Paar. Aber ließen sie sich wirklich zusammen mit Justus Winter als Heilige Dreifaltigkeit verehren und hatten Sex mit ihren Anhängern? Sie selbst bestreiten das. Tatsächlich praktizierten sie eine grausame Operation zur Sterilisierung der Frauen, die so genannte Verschneidung. Das sollte aber nicht dem folgenlosen Sex dienen, sondern auf die nahe bevorstehende Endzeit vorbereiten.
Im damals dänischen Altona wird es still um Eva von Buttlar. Sie bleibt mit Appenfeller zusammen und stirbt im Jahr 1721.

Stand: 02.01.07