3. August 1921 - Erste Insektenvernichtung aus der Luft

Schädlingsbekämpfung in den USA

Stichtag

3. August 1921 - Erste Insektenvernichtung aus der Luft

Die Idee dazu hat ein deutscher Oberförster: Alfred Zimmermann schlägt im März 1911 in einem Patentantrag vor, Waldschädlinge aus der Luft zu bekämpfen und die befallenen Bäume von oben mit Insektengift zu besprühen. Umgesetzt wird der Einfall aber erst gut zehn Jahre später - im US-Bundesstaat Ohio. Raupen des sogenannten Catalpa-Schwärmers haben sich in der Nähe des Städtchens Troy über einen Trompetenbaum-Wald hergemacht. Im Morgengrauen des 3. Augusts 1921 besteigt Pilot John A. McReady seinen Doppeldecker, eine "Curtiss Jenny". Seitlich am Rumpf der Maschine hat McReady ein trichterförmiges Gefäß anbringen lassen, darin 90 Kilogramm Bleiarsenat in Pulverform.

"Fast alle Raupen sind tot"

Die "Jenny" steigt wegen des zusätzlichen Gewichts schwerfällig auf. McReady peilt den Trompetenbaum-Wald an und fliegt mit etwa sechs bis zehn Meter Abstand über die Baumkronen. Alles wird exakt dokumentiert: Insgesamt sechs Mal zieht der ehemalige Weltkriegspilot jeweils neun Sekunden lang den Verschlusshebel, das giftige Pulver rieselt aus dem Trichter und nebelt 4.815 Trompetenbäume ein. "Fast alle Raupen sind tot", stellt zwei Tage später ein Insektenkundler fest. "Nur etwa ein Prozent hat auf den Bäumen überlebt." Der erste sogenannte Agrarflug wird als Erfolg gewertet.

Drei Jahre nach dem Erstflug entsteht in den Südstaaten der USA ein erstes Agrar-Flugunternehmen. Mit 18 Flugzeugen werden Baumwoll-Schädlinge bekämpft. In Amerikas Landwirtschaft sind Monokulturen üblich geworden. Die riesigen Felder, auf denen jeweils nur eine Pflanzenart angebaut wird, sind anfällig für schädliche Insekten. Bald wird das Insektizid DDT standardmäßig eingesetzt, später jedoch wegen gesundheitlicher Gefährdung von Menschen und Säugetieren verboten.

Feldspritzen in Deutschland

Ab Mitte der 1920er Jahren werden auch in Deutschland Flüge zur Schädlingsbekämpfung durchgeführt. Später wird vor allem in der DDR über den großen Feldern der LPGs, den Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften, gesprüht. Mittlerweile gibt es in Deutschland kaum noch Agrarfliegerei. Für den Pflanzenschutz werden nun sogenannte Feldspritzen eingesetzt. Einige dieser Modelle ragen von Traktoren wie lange Arme über die Felder und besprühen die Pflanzen von oben. Das ist effektiver, umweltfreundlicher und vor allem billiger als der Einsatz von Flugzeugen.

Stand: 03.08.11

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