25. Mai 2005 - Vor fünf Jahren: UN verurteilen den Einsatz von Kindersoldaten

Stichtag

25. Mai 2005 - Vor fünf Jahren: UN verurteilen den Einsatz von Kindersoldaten

Mit sieben oder acht Jahren drückt man ihnen eine Waffe in die Hand, die sie kaum tragen können. Mit zehn sind sie bereits erfahrene Kämpfer und abgebrühte Killer. Wer zum Töten nicht geeignet ist, räumt die Leichen von den Straßen und schaufelt Massengräber. Kinder als Krieger sind beliebt; sie lernen schnell, kämpfen zäh und essen wenig. Rund 300.000 Minderjährige töten derzeit in aller Welt im Auftrag von Rebellen, Milizen und Armeen. Verschleppt, vergewaltigt und misshandelt als Leibeigene ihrer Kommandeure. Der aktuelle UN-Bericht nennt 42 Gruppen in elf Nationen, die Kindersoldaten rekrutieren und in Kriegen einsetzen. Die meisten kämpfen im Kongo. Im dort herrschenden Bürgerkrieg stellen die unter 15-Jährigen schätzungsweise die Hälfte aller Kombattanten.
1989 unternehmen die Vereinten Nationen den ersten Schritt, mit einer Kinderrechtskonvention den Kriegseinsatz von unter 18-Jährigen zu ächten. Doch die eindeutig verurteilende, als "straight 18" bekannt gewordene Position wird von etlichen Ländern blockiert und ausgehöhlt. Auch in Russland, den USA, Großbritannien und Deutschland ist die Soldaten-Anwerbung von unter 18-Jährigen gesetzeskonform. So rutscht schließlich ein Kompromiss-Paragraf in die Konvention, der eine Rekrutierung schon im Alter von 15 Jahren zulässt.

Entschlossen nehmen Kinderschützer und Nicht-Regierungsorganisationen wie "terre des hommes" den Kampf gegen den Skandalparagrafen auf. Weltweite Medienkampagnen prangern das erschütternde Schicksal der Kindersoldaten an und zeigen allmählich Wirkung. Nach vierjähriger Beratung und mit nur mäßiger Unterstützung ihrer Mitgliedsstaaten erlässt die UNO-Vollversammlung am 25. Mai 2000 ein Zusatzprotokoll, das den soldatischen Einsatz von unter 18-Jährigen ächtet.  Auf Drängen der USA wiederum mit einer Ausnahme: Freiwillige dürfen schon mit 16 Jahren zur Armee. An den mörderischen Realitäten hat indessen weder die UN-Konvention von 1989 noch das Zusatzprotokoll etwas geändert. In den meisten Krisengebieten fehlt schlichtweg jede Kontrolle, Sanktionen sind in den uneinigen Vereinten Nationen kaum durchzusetzen. Seit 2002 diskutiert der UN-Sicherheitsrat regelmäßig die Berichte zum Thema. Beschlossen wurde allerdings noch nie mehr als eine weitere Prüfung der Lage. Letzter Stand der Dinge: In Uganda rekrutiert die Rebellenbewegung LRA ( Lords Resistance Army) bereits Vierjährige und richtet sie zu barbarischen Überfällen auf Zivilisten ab.

Stand: 25.05.05