06. August 2004 - Vor zehn Jahren: Domenico Modugno stirbt in Lampedusa

Stichtag

06. August 2004 - Vor zehn Jahren: Domenico Modugno stirbt in Lampedusa

Seine Jugend gleicht einem dieser nostalgischen italienischen Spielfilme. Der Vater ist Kommandant der örtlichen Stadtpolizei in dem kleinen apulischen Dorf Polignano a Mare. Abends nach dem Essen holt der Commandante regelmäßig die Gitarre hervor und singt seinem kleinen Sohn neapolitanische Schlager vor. Die Mutter übernimmt die Backgroundstimme. So saugt der kleine Domenico seit seiner Geburt am 9. Januar 1928 die populäre süditalienische Musik in sich auf.Schon vierzehn Jahre später schreibt er seine ersten eigenen sentimentalen Lieder und trägt sie nachts unter dem Balkon seiner Angebeteten vor. Mit welchem Erfolg, ist nicht überliefert. Erfolg, großen Erfolg hat Domenico Mudugno mit dreißig Jahren. Da ist er schon ausgebildeter Schauspieler. (Später dreht er Filme mit Pierpaolo Pasolini und Giorgio Strehler.) Sein Durchbruch aber ist das große Schlagerfestival von San Remo 1958. Hier trägt er "Volare" vor, ein geheimnisvolles Lied im Stil der alten Cantastorie, der singenden Chronisten. Er singt die Geschichte eines Mannes, der am Ende in den blauen Himmel fliegt, und er spielt diesen Mann mit ausgebreiteten Armen, im weißen Smoking auf der Bühne.Damit ist ein Superstar des italienischen Schlagers geboren. Modugno landet in den 60er Jahren einen Hit nach dem anderen. Dabei singt er nicht mehr, wie italienische Schnulzen bislang, von der Mama, der Liebe und den Hochzeitsglocken. Er singt von einem verliebten Schwertfisch, der freiwillig stirbt, um seiner Geliebten ins Netz zu folgen - während die Fischer im Hintergrund "Tötet ihn" schreien. Er singt die Poesie des Volkes aus dem Süden.

Das Ende von Domenico Modugno gleicht einem dieser neorealistischen italienischen Spielfilme: Er erleidet 1984 einen Schlaganfall, kann nicht mehr singen wie bisher. Nun wird Modugno zum Politiker, erringt für die linke Partei der "Radikalen" einen Sitz im römischen Parlament und engagiert sich für die Reform der Psychiatrie. Im Rahmen seiner politischen Arbeit gibt er seine letzten Konzerte für Patienten. Am Ende zieht er sich in den Süden zurück, ans Meer. Domenico Modugno stirbt am 6. August 1994 in seinem Haus auf der Insel Lampedusa.

Stand: 06.08.04