1. Januar 1976 - Anlegen von Auto-Sicherheitsgurten wird Pflicht

Dummys bei einem Crash Test des Automobilunternehmens Volkswagen im Mai 1992

Stichtag

1. Januar 1976 - Anlegen von Auto-Sicherheitsgurten wird Pflicht

Eine der legendärsten Kino-Verfolgungsfahrten kommt 1968 im Thriller "Bullitt" auf die Leinwand. 13 Minuten lang wird Steve McQueen alias Frank Bullit von Killern in halsbrecherischem Tempo durch San Francisco gejagt. Interessanterweise sitzt der Bösewicht dabei angeschnallt hinterm Steuer seines schwarzen Dodge. Superheld McQueen im Ford Mustang dagegen darf sich "oben ohne" ganz auf seine grandiosen Fahrkünste verlassen. Wer seinen Wagen beherrscht, kann eben locker auf den fesselnden Gurt verzichten. So sahen das damals offenbar auch die allermeisten deutschen Autofahrer – mit verheerenden Folgen.

Unbelehrbare Gurtmuffel

1970 erreicht die Unfallstatistik mit mehr als 19.000 Verkehrstoten und über einer halben Million Verletzten einen traurigen Rekord; die meisten Opfer saßen dabei nicht angeschnallt im Auto. Intensive Sicherheitsaufklärung der Verkehrsminister, Pro-Gurt-Aktionen der Automobilclubs und drastische Unfallbeispiele in der ARD-Verkehrssendung "Der 7. Sinn" ändern kaum etwas an der Anschnall-Abneigung. Selbst die Appelle auf Tausenden von Plakatwänden an den Autobahnen mit Slogans wie "Erst gurten – dann starten", "Blind – weil er keinen Gurt trug" oder "Oben mit ist besser" verhallen: Die Deutschen bleiben ein Volk von Gurtmuffeln. Deshalb sieht sich das Bundesverkehrsministerium genötigt, den ungeliebten Lebensretter gesetzlich zu verordnen und führt am 1. Januar 1976 die Gurtpflicht auf den Vordersitzen ein.

Sicherheit durch Griff den Geldbeutel

Zur Kasse gebeten werden Gurtmuffel allerdings noch nicht. Die Polizei muss sich auf Ermahnungen und Belehrungen beschränken. Etwa 40 Prozent aller Autolenker verstehen deshalb die neue Verordnung als Freibrief, auch weiterhin oben ohne zu starten. "Freie Fahrt für freie Bürger" heißt ihr Motto. Andere argumentieren mit Platzangst und lästigem Scheuern am Hals, halten Anschnallen bei geringem Tempo für unnötig und Frauen fürchten um ihren Busen. Spitzenreiter unter den Ausreden ist aber: "Anschnallen? Hab ich vergessen."
Erst die Einführung eines Verwarnungsgeldes von 40 D-Mark im August 1984 lässt die Zahl der Sicherheitsgurt-Anleger drastisch nach oben schnellen. Mit Ausweitung der Anschnallpflicht auch auf Rücksitze und Reisebusse steigt die Gurt-Quote auf nahezu 100 Prozent. Selbst "Bullitt"  Steve McQueen würde das Anschnallen heute nicht mehr vergessen: Dafür sorgen in vielen Fahrzeugen die nervenden Warntöne, die erst beim Klick des Gurtschlosses verstummen.

Stand: 01.01.2011

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