14. März 1861 - Viktor Emanuel II. wird König Italiens

Viktor Emanuel II.

Stichtag

14. März 1861 - Viktor Emanuel II. wird König Italiens

Italien ist bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts ein politischer Flickenteppich und endloser Kampfschauplatz europäischer Großmächte. Dutzende von despotisch beherrschten Stadtrepubliken und Fürstentümern, dazu der Kirchenstaat sowie Vasallengebiete Österreichs und Frankreichs bekriegen sich in ständig wechselnden Koalitionen - jahrhundertelang. Erst in nachnapoleonischer Zeit breitet sich auf der Apennin-Halbinsel der Wunsch nach Vertreibung der Fremdherrscher und einer nationalen Einigung, dem "Risorgimento", aus.


Jeder aufrüherische Impuls wird jedoch gnadenlos im Keim erstickt, die politische Uhr mit aller Brutalität auf die absolutistische Zeit vor der französischen Revolution zurückgedreht. Nur Viktor Emanuel II. herrscht in einem parlamentarisch regierten Königreich, als er 1849 in Turin den Thron des kleinen, aber souveränen Reichs Sardinien-Piemont besteigt. Sein Vater Karl Albert I. hat aus den Revolutionen von 1848 als einziger Herrscher in Italien Konsequenzen gezogen. Er führt die konstitutionelle Monarchie ein und tritt den Thron an seinen 29-jährigen Sohn Viktor Emanuel ab.

Der König und sein "Bismarck"

Als nicht sonderlich intelligent beschreiben ihn Historiker. Doch mit stattlicher Haltung, Zwirbelschnurrbart und Ordensgepränge gibt Viktor Emanuel eine imposante, respektable Erscheinung ab. Auf den jungen König richten sich nun alle Hoffnungen der auch in Italien besiegten Freiheitskämpfer um Giuseppe Mazzini und Giuseppe Garibaldi. Nur zu gern sähe sich der Klein-Monarch aus dem uralten Geschlecht Savoyen als König ganz Italiens. In Ministerpräsident Camillo Benso Graf von Cavour hat Viktor Emanuel den geeigneten Mann, um die strategisch heikle "Italienische Frage" zu lösen. Wie Bismarck als Reichsgründer ein äußerst gewiefter Taktiker, scheut sich Cavour nicht, ein Bündnis mit den Kämpfern des Risorgimento einzugehen. In Geheimabsprachen spielt er die Großmächte Frankreich und Österreich kühl gegeneinander aus und verleibt Italien Stück für Stück dem Königreich Sardinien-Piemont ein.

Cavour setzt die Revolution matt

Zunächst übernimmt Viktor Emanuel II. die Herrschaft über die Lombardei, dann kommen die Fürstentümer Parma, Modena und Teile des Kirchenstaats hinzu. Im Februar 1861 gelingt Garibaldi die entscheidende Eroberung des von den Bourbonen beherrschten Süditalien; das Risorgimento wächst endgültig zur großen nationalen Bewegung. Doch Cavour verfolgt andere Pläne als Garibaldi, der von einem republikanischen Marsch auf die künftige Hauptstadt Rom träumt. Als es Viktor Emanuels versiertem Strategen gelingt, die mächtigen Großgrundbesitzer und die hungernden Bauern Süditaliens auf die Seite der Monarchie zu ziehen, muss sich Garibaldi geschlagen geben.


In prunkvoller Uniform und symbolträchtig hoch zu Ross, erhält der König 25 Tage nach dem Ende der Bourbonen vom Freiheitshelden die Macht über Süditalien. Am 14. März 1861 lässt sich Viktor Emanuel II. zum ersten Monarchen des vereinten Königreichs Italien ausrufen. 1866 gewinnt er auch noch Venetien hinzu. Die Unterwerfung des Kirchenstaates gelingt erst fünf Jahre später. Im Januar 1871 wird der Papst als weltlicher Herrscher entmachtet und Rom als Hauptstadt Italiens proklamiert.

Stand: 14.03.2011

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