9. Juni 1916 - Robert McNamara wird geboren

Stichtag

9. Juni 1916 - Robert McNamara wird geboren

58.000 Tote sind Amerikas Bilanz im Vietnamkrieg. Auf vietnamesischer Seite sterben dreieinhalb Millionen Menschen, darunter mehr Zivilisten als Soldaten. Hauptverantwortlich dafür ist für viele Robert McNamara, US-Verteidigungsminister von 1961 bis 1968. Er gilt als "Architekt des Vietnamkriegs". McNamara habe an die "vermeintliche Rationalität des politischen Prozesses" geglaubt, sagt Bernd Greiner vom Hamburger Institut für Sozialforschung. "Er ging davon aus, mit dem schieren Verstand alles beherrschen, planen und kontrollieren zu können." Genau daran sei McNamara in Vietnam gescheitert: "Er war allen Ernstes der Meinung, eine mathematische Lösung für dieses Problem finden zu können." So werde eine genügende Anzahl von Bomben auf ein bestimmtes Planquadrat die Moral des Vietcongs entsprechend abnehmen lassen.

13 Jahre lang Weltbank-Präsident

Der am 9. Juni 1916 in San Francisco geborene McNamara stammt aus bescheidenen Verhältnissen. Zum Studium geht er an die staatliche Universität von Berkeley. Später folgt Harvard. Er studiert Mathematik, Wirtschaftswissenschaften und Philosophie. Im Zweiten Weltkrieg meldet er sich freiwillig und wertet die Auswirkungen der Bombardierungen auf Europa und Japan aus. "Computer auf zwei Beinen" ist sein Spitzname, als ihn US-Präsident John F. Kennedy 1961 nach Washington holt - weg von seinem Posten als Chef der Ford-Werke in Detroit. "Er galt als effizienter, aber auch als skrupelloser Manager, der sich gegen Widerstände durchzusetzen weiß", so Professor Greiner.

"McNamaras Krieg" nennen protestierende US-Studenten den Krieg in Vietnam. Die USA wollen unter allen Umständen verhindern, dass Ho Chi Minh, Nordvietnams kommunistischer Anführer, seine Macht auf den Südteil des Landes ausdehnt. Als McNamara aber erkennt, dass der Preis, den die USA in Vietnam zahlen, in keinem Verhältnis zu den möglichen Vorteilen steht, empfiehlt er den Rückzug. Die US-Generäle sind empört. Da wird McNamara der Posten des Chefs der Weltbank angeboten. US-Präsident Lyndon B. Johnson redet ihm gut zu. McNamara nimmt 1968 den Job an und leitet das Institut bis 1981. Der Vietnamkrieg wird von McNamaras Nachfolgern weitergeführt und endet erst 1975 mit dem Rückzug der Amerikaner und der Niederlage Südvietnams.

"Wir haben uns schrecklich geirrt"

Über die Zeit im Pentagon schweigt McNamara fast 30 Jahre lang. Dann erscheint 1995 sein aufsehenerregendes Buch "Vietnam - das Trauma einer Weltmacht". Darin rechnet McNamara mit den Fehlern der Amerikaner ab: "Wir haben uns schrecklich geirrt." Die Dominotheorie - wenn Südvietnam fällt, fallen auch andere asiatische Länder dem Kommunismus zum Opfer - sei ein Denkfehler gewesen. "Wir sahen Vietnam als Teil des Kalten Krieges. Aber sie sahen es als Bürgerkrieg." Es sei nicht primär um den Kommunismus gegangen, sondern - nach dem Ende der französischen Kolonialherrschaft - um die Unabhängigkeit und Einheit des Landes. Er habe schlicht nicht verstanden, so McNamara, dass Nordvietnam kein Marionettenstaat gewesen sei. Er wirft sich vor, so lange mitgemacht zu haben. "Viele haben ihm das nicht abgenommen", sagt Historiker Greiner. "Ich habe ihn zwei Mal am Rande von Tagungen erlebt und neige dazu, dass er es ernst gemeint hat." Aber natürlich habe er auch um seinen Platz in der Geschichte gekämpft.

Während McNamara US-Verteidigungsminister ist, erhöht sich das amerikanische Atomwaffenarsenal explosionsartig. Ein halbes Jahrhundert später unterstützt er US-Präsident Barack Obamas Aufruf zu einer kernwaffenfreien Welt und warnt: "Bei Atomwaffen ist keine Zeit, aus Fehlern zu lernen. Wer einen einzigen Fehler macht, zerstört ganze Nationen." McNamara stirbt am 6. Juli 2009 im Alter von 93 Jahren in Washington.

Stand: 09.06.2011

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