15. April 1726 - Legende von Newtons Apfel entsteht

"Isaac Newton unterm Apfelbaum"

Stichtag

15. April 1726 - Legende von Newtons Apfel entsteht

Im Sommer 1665 legt sich Isaac Newton  im Garten seines Elternhauses in Woolthorpe nahe Cambridge unter einen Apfelbaum. Vermutlich ist ein schöner Sommertag, vermutlich weht ein leichtes Lüftchen. Auf irgendeine Art und Weise jedenfalls löst sich ein Apfel der Sorte "Flower of Kent" vom Ast und fällt zu Boden. So wird es der inzwischen berühmte Physiker über 60 Jahre später, am 15. April 1726, seinem Freund und Biografen William Stukeley erzählen.

Ob der Apfel Newton am Kopf trifft oder in einiger Entfernung aufprallt, ist in unterschiedlichen Versionen überliefert. So oder so löst das Ereignis in der Physik ein Erdbeben aus. "Warum müssen Äpfel immer senkrecht zu Boden fallen, warum nicht seitwärts oder aufwärts, warum immer Richtung Erdmittelpunkt?", wird Newton später schreiben. "Sicher ist der Grund dafür, dass die Erde den Apfel anzieht."  Newton hat das allgemeine Gravitationsgesetz gefunden.

Wunderjahre der Wissenschaft

Geboren wird Newton 1643 auf dem Bauernhof seiner Eltern. Mit 18 Jahren geht er ans Trinity College in Cambridge, das im Jahr 1665 wegen der Pest geschlossen werden muss. Bis 1666 bleibt Newton in seinem Elternhaus – eine kurze Zeit, die die Nachwelt zu "Wunderjahren" ("anni mirabiles") verklären wird.

In dieser Zeit begründet der Physiker die Differential- und Integralrechnung. Er entdeckt, dass weißes Licht aus farbigem Licht besteht. Und er hat die – allerdings erst in den achtziger Jahren des 17. Jahrhunderts verfeinerte – Idee der universellen Gravitation: Jene Kraft, die den Apfel zu Boden zieht, muss dieselbe sein, die den Mond auf seiner Bahn um die Erde und die Erde auf ihrer Bahn um die Sonne hält. Zuvor war man mit Aristoteles davon ausgegangen, dass auf Erden und im Weltall unterschiedliche Gesetze gelten.

Ungeliebt und autoritär

Mit 26 Jahren erhält Newton den Lehrstuhl seines Professors in Cambridge. Unter Studenten und Kollegen ist der griesgrämige Mann ebenso unbeliebt, wie später unter den Geldfälschern und Spekulanten, denen er ab 1696 in seiner Eigenschaft als Leiter der Königlichen Münze das Handwerk legt. 1703 wählt ihn die Royal Society zu ihrem Präsidenten. Autoritär leitet er ihre Geschicke 25 Jahre lang.

Isaac Newton stirbt 1727 in Kensington. Drei Jahrhunderte lang glaubt die Wissenschaft an die universelle Gültigkeit seiner Gravitationsgesetze im Universum. Erst Albert Einstein wird mit seiner allgemeinen Relativitätstheorie Newtons Auffassung von Schwerkraft widerlegen und eine eigene universelle Theorie zur Anziehungskraft im Weltall vorlegen. Aber zur Berechnung eines Apfelfalls zur Erde reicht Newtons Modell bis heute aus.

Stand: 15.04.2011

Programmtipps:

Auf WDR 2 können Sie den Stichtag immer gegen 9.40 Uhr hören. Wiederholung: von Montag bis Freitag gegen 17.40 Uhr und am Samstag um 18.40 Uhr. Der Stichtag ist in den vier Wochen nach der Ausstrahlung als Podcast abrufbar.

"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.05 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 15. April 2011 ebenfalls an Newtons Apfel-Geschichte. Auch das "ZeitZeichen" gibt es einen Monat lang als Podcast.