19. August 2010 - Vor 80 Jahren: Geburtstag des Schriftstellers Frank McCourt

Stichtag

19. August 2010 - Vor 80 Jahren: Geburtstag des Schriftstellers Frank McCourt

Wenn Frank McCourt gefragt wurde, welche Voraussetzung ein guter Schriftsteller mitbringe, zögerte er nie: "Eine unglückliche Kindheit!" Frank McCourts Kindheit im irischen Limerick ist geprägt von Armut, Hunger, einem arbeitslosen saufendem Vater und scheinheiligen katholischen Priestern. Drei seiner Geschwister sterben. Frank McCourt ist mit elf Jahren Hauptverdiener der Familie, er stiehlt Brot und Milch, um Mutter und Geschwister zu ernähren. Erfahrungen, die er erst im Rentenalter in dem autobiographischen Roman "Die Asche meiner Mutter" verarbeitet. Beim Erscheinen des Romans sagt er: "Schlimmer als die normale unglückliche Kindheit ist die irische unglückliche Kindheit und noch schlimmer ist die unglückliche irische katholische Kindheit." Der Roman eines Mannes, der mit 14 Jahren die Schule ohne Abschluss verlassen hat, wird ein Bestseller. Die eindringliche Geschichte, die jedoch in einem heiteren, kindlichen Tonfall vorgetragen ist, findet bei Millionen Lesern und den Literaturkritikern Zuspruch.

Putzen und Kanarienvögel hüten in New York

Frank McCourt wird am 19. August 1930 als erstes von sieben Kindern in New York geboren. Nach dem Tod einer jüngeren Schwester zieht die Familie nach Irland, woher Mutter Angela und Vater Malachy McCourt ursprünglich stammen. An ein besseres Leben glaubt er immer: "Am Ende der Strasse war eine Porzellanlaterne, und da kreuzte eine Strasse, die zum Bahnhof führte. Und ich sagte mir: Eines Tages wirst du mit einem Beutel in der Hand dort lang gehen und nach Amerika auswandern." Im Alter von 19 Jahren hat er genug Geld zusammen, an Bord der "Irish Oak" kommt er im Hafen von New York an: mit entzündeten Augen, fauligen Zähnen und 40 Dollar in der Tasche. Er arbeitet als Putzkraft, als Arbeiter auf Schlachthöfen und hütet 60 Kanarienvögel in einem Hotel. Während des Korea-Kriegs ist McCourt zwei Jahre in Bayern stationiert. Die Wende in seinem Leben, denn anschließend kann er ohne Schulabschluss ein Studium aufnehmen: Die "GI-Bill" ermöglicht die Weiterbildung für ehemalige Soldaten. Er studiert Englische Literaturwissenschaft und unterrichtet 30 Jahre lang als Englischlehrer an verschiedenen staatlichen Schulen in New York. Nach seiner letzten Schulstunde ruft ihm ein Schüler hinterher, er solle doch ein Buch schreiben.

Pulitzerpreis für "Die Asche meiner Mutter"

1996 erscheint "Die Asche meiner Mutter". Nach eigener Aussage will er darin "den Gestank der Armut zeigen" und "den Leuten und den Kindern die Würde geben, die sie hatten". Weltweit verkaufen sich sechs Millionen Exemplare, McCourt erhält den Pulitzerpreis, die höchste literarische Ehrung der USA. Der Roman wird in dreißig Sprachen übersetzt und auch verfilmt. Danach erscheinen "Ein rundherum tolles Land" und "Tag und Nacht und auch im Sommer". Obwohl sich beide Romane sehr gut verkaufen, bedauern Kritiker, dass er sich nach dem fulminanten Erstling nicht zurückziehen konnte: Literarisch können sie nicht an "Die Asche meiner Mutter" anschließen. Frank McCourt stirbt am 19. Juli 2009 im Alter von 78 Jahren an Krebs.

Stand: 19.08.10