29. November 2010 - Vor 175 Jahren: Die chinesische Kaiserin Ci-Xi wird geboren

Stichtag

29. November 2010 - Vor 175 Jahren: Die chinesische Kaiserin Ci-Xi wird geboren

Die Meinungen über die chinesische Kaiserin Ci-Xi könnten gegensätzlicher kaum sein. Sie selbst hält sich bisweilen für "die gescheiteste Frau, die jemals gelebt hat". Der Nachwelt indes ist die Frau, deren königlicher Name "barmherzige Freude" bedeutet, als intrigant und skrupellos, herrschsüchtig und machtbesessen, sexhungrig und luxusliebend überliefert.
Die wenig schmeichelhaften Beschreibungen stammen allerdings aus der Volksrepublik China, lange nach ihrem Tod: Darüber, wie Ci-Xi wirklich gewesen ist, hat die Geschichte einen Schleier gelegt – ähnlich jenem Gazevorhang, hinter dem verborgen sie ihren Untertanen im Namen ihres minderjährigen Sohnes Befehle gab.

Konkubine fünften Ranges

Geboren wird Ci-Xi am 29. November 1835 als Tochter eines niederen mandschurischen Beamten. Der Geburtsort und ihr eigentlicher Name sind nicht bekannt. Mit 16 Jahren kommt sie in den kaiserlichen Palast nach Peking. In der verbotenen Stadt wird die auffallend schöne Frau zur Konkubine fünften Ranges, zu einer von 28 Nebenfrauen des Kaisers Tsia-Feng, gemacht; zwei Jahre dauert die Ausbildung. Als der Kaiser Ci-Xi sie schließlich zu Gesicht bekommt, ist er von ihr verzaubert. Sie ist die einzige Frau, die ihm 1856 einen Sohn, Thongsi, gebiert. Dadurch rückt sie in den ersten Rang der Konkubinen auf.
Als Tsia-Feng 1861 im Sterben liegt, bahnt sich Ci-Xi mit ihrem dreijährigen Sohn entschlossen den Weg zum Totenbett. Nach eigenen Angaben nimmt sie dem Kaiser dabei das Versprechen ab, dass Thongsi Thronfolger werden soll. Da der Kaiser per Dekret zuvor aber acht andere Regenten bestimmt hat, beginnt nach seinem Tod ein Machtkampf im Palast, den Ci-Xi gewinnt.

Der Untergang der Monarchie

Gemeinsam mit der Hauptfrau des Kaisers übernimmt Ci-Xi die Regentschaft für ihren minderjährigen Sohn. Während sich die Mitregentin immer mehr zurückzieht, spinnt sie geschickt die Fäden. Als Angehörige der wenigen hunderttausend Mandschuren regiert die dabei das 400 Millionen-Volk der Han-Chinesen: eine Konstellation, die immer auch politisch schwierig ist. Als ihr Sohn nach elf Jahren Regentschaft stirbt, sorgt Ci-Xi dafür, dass ihr Neffe Guangxu als Kleinkind den Thron besteigt. Ihre Macht bleibt also erhalten.
In fortgeschrittenem Alter entwickelt Guangxu Reformpläne, die der Herrscherkaste missfallen: Er wird entmachtet, unter Hausarrest gestellt, mit Opium vollgepumpt und durch Zufuhr immer größerer Mengen von Arsen langsam vergiftet. Ob Ci-Xi an dem Komplott beteiligt ist, bleibt unbekannt. Tatsache ist, dass sie überraschenderweise versucht, Guangxus Reformen nach dessen Tod umzusetzen. Sie lässt Schulen, sogar für Mädchen, einrichten, ebenso wie Universitäten, ein Außenministerium und eine modern geführte Armee.
Aber die Neuerungen können den Untergang des Kaiserreichs nicht mehr aufhalten. Bevor sie 1908 in Peking stirbt, bestimmt Ci-Xi noch den dreijährigen Pu Yi zu ihrem Nachfolger. Der letzte Kaiser von China bleibt gerade noch vier Jahre auf dem Drachenthron. Danach wird er zur Abdankung gezwungen.

Stand: 29.11.10