19. Mai 2010 - Vor 75 Jahren: Thomas Edward Lawrence stirbt

Stichtag

19. Mai 2010 - Vor 75 Jahren: Thomas Edward Lawrence stirbt

Bis zum Sommer 1916 hat Thomas Edward Lawrence ein eher beschauliches Leben. Weitab von den Schauplätzen des ersten Weltkriegs hat sich der britische Geheimdienst-Offizier in Kairo eingerichtet, als sich der Sherif von Mekka, ermuntert von den Engländern, gegen die Türken erhebt.Als der Aufstand der Araber zu zerfallen droht, wird Lawrence zur Unterstützung ins Lager der Rebellen geschickt: Fürst Feisal, ein Sohn des Sherifen, ist begeistert von dem Mann, der akzentfrei aus dem Koran zitieren kann. Das Eis ist gebrochen, als Feisal fragt, ob Lawrence nicht seine engen Hosen gegen arabische Gewänder tauschen will. Nun macht der Offizier auch äußerlich jene Wandlung durch, die er im Innern schon vollzogen hat. "Ich werde große Schwierigkeiten haben", notiert er einmal, "wieder zum Engländer zu werden".

Spion der Briten

Geboren wird Lawrence 1888 als zweitältester Sohn eines irischen Barons und eines Kindermädchens. Glaubt man seinen Biografen, dann leidet er schon als Kind darunter, in illegitimen Verhältnissen gezeugt worden zu sein. Lawrence entwickelt sich zum Außenseiter, der für Ritter und Burgen schwärmt und wochenlang auf ihren Spuren mit dem Fahrrad durch Frankreich reist. Als Student der Geschichte reist er 1909 auf der Suche nach alten Kreuzfahrerburgen zum ersten Mal in den Orient.Mit 22 Jahren nimmt Lawrence an Ausgrabungen der Hethiterstadt Karkemish am Ufer des Euphrat teil. Vordergründig als archäologisches Projekt getarnt, dient die Mission in erster Linie dazu, die Gegend zu erkunden und zu vermessen. Krieg liegt in der Luft: Nur einen Steinwurf von der Ausgrabungsstädte entfernt lassen die deutsche Regierung und das Osmanische Reich eine Eisenbahnlinie von Bagdad nach Berlin errichten.

Lawrence, der Verräter

In seinem Bestseller "Die sieben Säulen der Weisheit" (1926) beschreibt Lawrence den erfolgreichen Kampf der arabischen Stämme gegen die Türken. Aber die politische Unabhängigkeit, die die Briten den Arabern im Gegenzug für ihren Sieg versprochen haben, ist nur ein Schein: Längst haben sie mit den Franzosen den Nahen Osten unter sich aufgeteilt. Als Lawrence 1918 an der Seite von Fürst Feisal in Damaskus einzieht, weiß er über die Pläne schon Bescheid. Zeit seines Lebens wird er sich fortan als Verräter fühlen. Daran ändert auch sein erfolgreicher Vorstoß nichts, Faisal zum König des Irak zu machen.Während der US-Journalist Lowell Thomas mit Filmen und Vorträgen am Mythos des "ungekrönten Königs der Araber" strickt, zieht sich Lawrence unter falschem Namen für zwölf Jahre als einfacher Soldat in die britische Armee zurück. Mit 46 Jahren stirbt er am 19. Mai 1935 an den Folgen eines mysteriösen Motorradunfalls in Clouds Hill. David Leans Film "Lawrence von Arabien" (1962) mit Peter O'Toole in der Titelrolle kultiviert seine Legende weiter.

Stand: 19.05.10