21. Januar 2010 - Vor 210 Jahren: Geburtstag des Theologen Theodor Fliedner

Stichtag

21. Januar 2010 - Vor 210 Jahren: Geburtstag des Theologen Theodor Fliedner

Als der 22-jährige Pfarrer Theodor Fliedner 1822 seine erste Stelle antritt, bemerkt er, dass seine Gemeinde Kaiserswerth bei Düsseldorf bettelarm ist. Zudem hat der einzige evangelische Arbeitgeber Konkurs gemacht. Fliedner kämpft, entwirft einen Bettelbrief und zieht über ein Jahr damit durch die protestantischen Länder Niederlande und England. Auf pragmatische und weltoffene Weise sammelt er Geld für seine Gemeinde und lernt ein sozialeres Christentum kennen: Briten und Niederländer packen das soziales Elend an. Nach seiner Rückkehr plant Fliedner auch in Kaiserswerth ein Hilfswerk. In den schnell wachsenden Industriestädten leben vor allem Fabrikarbeiter und ihre Familien im Elend, leiden an Hunger und Krankheiten. Fliedner will ihre Not lindern - und Gott gefallen.

Fliedner kommt am 21. Januar 1800 als drittes von elf Kindern in einem protestantischen Pfarrerhaushalt zur Welt. 28 Jahre später will er selbst eine Familie gründen. Im Nachbarort trifft er Friederike Münster, die wohltätig in einem Erziehungshaus für schwer erziehbare junge Männer und Frauen arbeitet. Sie ist eine ebenso fromme, wie pragmatische Frau, die seine Mission unterstützt. Sein Brautbrief von 1828 ist ohne Umschweife: "Noch eine Eigenschaft darf ich nicht unerwähnt lassen, dass ich nämlich das Recht des Mannes, Herr im Haus zu sein, mit Festigkeit zu behaupten gewohnt bin."

1833 gründet das Ehepaar die Rheinisch-Westfälische Gefängnisfürsorge. In ihrem Gartenhaus nehmen die Fliedners gefallene Mädchen und strafentlassene Frauen auf. Gemeinsam gründen sie 1836 auch die Diakonissenanstalt Kaiserswerth, eine Ausbildungsstätte für unversorgte und unverheiratete Frauen. Sie werden zu Krankenschwestern, Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen ausgebildet - und haben zum ersten Mal eine Alternative zur Heirat. Um die evangelischen Schwestern zu kontrollieren, entwickelt Theodor Fliedner ein umfassendes Regelwerk, das den gesamten Alltag ordnet. Darin heißt es zum Beispiel: "Sie beweise in all ihrer leiblichen Pflege des Kranken solche Liebe, Zartheit, Geduld, Sanftmut und Ausdauer, dass man gewahr werde, sie pflege den Kranken, als pflege sie den Leib des Herrn Jesu selbst." Doch die Berufstätigkeit stärkt die Frauen, sie sind selbstbewusst und demütig zugleich - eine Ambivalenz, die Fliedner nie auflösen kann. Überall im Deutschen Reich entstehen ähnliche Einrichtungen. Aus den Diakonissen-Häusern sind heute große Krankenhausträger, Altenhilfeträger oder sozialpädagogische Einrichtungen geworden.

Stand: 21.01.10