30. März 2010 - Vor 25 Jahren: Freitod von Soeur Sourire

Stichtag

30. März 2010 - Vor 25 Jahren: Freitod von Soeur Sourire

"Dominique-nique-nique" - diesen Ohrwurm-Refrain singt eine belgische Nonne und landet damit 1963 einen weltweiten Hit. Das Lied über Dominikus, den Gründervater ihres Ordens, ist in Europa, Japan und Amerika gleichermaßen populär, verdrängt in den USA sogar Elvis Presley von Platz eins der Charts. Eine Nonne als Popstar - wie kam es dazu? - Ursprünglich hat die 30-jährige Luc-Gabrielle ihre Ordensschwestern im belgischen Dominikanerkloster Fichermont mit einfachen religiösen Liedern auf der Gitarre erfreut. Doch dann erkennen die katholische Kirche und eine Plattenfirma ihr Potential und bauen Schwester Luc-Gabrielle, geboren am 17. Oktober 1933 in der Nähe von Brüssel, zum Star auf - sowohl französische Chansons als auch religiöse Lieder wie "Danke für diesen guten Morgen" sind Anfang der 60er Jahre populär. Die Plattenfirma macht eine Umfrage unter Jugendlichen, welchen Namen sie der singenden Nonne geben würden. 1963 erscheint das Lied "Dominique" auf Schallplatte, die Sängerin heißt "Soeur Sourire", Schwester des Lächelns. Es ist der Name, den die Jugendlichen bevorzugt hatten.

Aus der bescheidenen, fast unscheinbaren Ordensfrau wird über Nacht eine bekannte Sängerin, die Platten aufnimmt, auf der Bühne steht und in Talkshows auftritt - immer im Ordenskleid. Doch ihre Bekanntheit stört zunehmend die Ordnung des Klosters. Die Oberin stellt sie vor die Wahl zwischen Klosterleben oder Musikkarriere. Jeanine Deckers - so ihr bürgerlicher Name - verlässt das Kloster und beginnt ein neues Leben an der Seite ihrer Freundin Anni Pécher. Den Namen "Soeur Sourire", dessen Rechte der Kirche gehören, darf sie nicht weiter verwenden. Sie nennt sich fortan Luc Dominique - und hat unter diesem Namen keinen Erfolg mehr. Ihr modernes, teils provokantes Repertoire interessiert weder Zuhörer noch Plattenfirma, dabei schreibt die ehemalige Nonne mit "La pilule d'or" sogar ein Loblied auf die Antibabypille. "Sie hatte nicht das Charisma, um ein Publikum ein Leben lang an sich zu binden. Sie hatte nicht die Stimme und die Texttiefe wie ein Jacques Brel. Sie hatte nur einen Hit", sagt der belgische Regisseur Stijn Coninx, der im Jahr 2009 einen Spielfilm über ihr Leben drehte.

In ihren letzten Lebensjahren quälen sie Depressionen, eine Alkoholabhängigkeit - und horrende Steuerforderungen der Finanzbehörden. Doch die eingespielten Millionen aus den Plattenverkäufen sind zum Großteil auf das Konto des Klosters geflossen, Luc Dominique ist 13 Jahre nach ihrem Hit fast mittellos. Sie klagt gegen das Amt und verliert. Gegen das Kloster klagt sie nicht. Aus finanzieller Not und von der Welt enttäuscht nimmt sie sich am 30. März 1985, im Alter von 51 Jahren, gemeinsam mit ihrer Lebensgefährtin Anni Pécher das Leben. Im Nachlass finden Journalisten ein Video mit unveröffentlichten Liedern. In einem heißt es: "Ihr werdet bald von Soeur Sourire hören, dass sie starb, erschlagen von Steuerbescheiden. Die Leute werden aufatmen und sagen: Sie ist endlich tot. Gott sei Dank."

Stand: 30.03.10