12. Juni 2010 - Vor 1600 Jahren: Alarich stirbt in Süditalien

Stichtag

12. Juni 2010 - Vor 1600 Jahren: Alarich stirbt in Süditalien

In der Nacht erklingen am Fluss Busento bei Cosenza in Kalabrien dumpfe Lieder. Flussauf- und flussabwärts ziehen die Schatten tapferer Goten, die "ihres Volkes besten Todten" Alarich beweinen. So hat es sich der romantische Dichter August von Platen in seinem Gedicht "Das Grab im Busento" Anfang des 19. Jahrhunderts ausgemalt. Hier wird Alarich als Gotenkönig mit nationalem Pathos gar samt Pferd im Fluss bestattet: "Allzufrüh und fern der Heimath mussten hier sie ihn begraben, / Während noch die Jugendlocken seine Schulter blond umgaben".

Hinsichtlich phantastischer Ausschmückungen kann von Platen aus dem Vollen schöpfen: Über die wahre Person Alarichs nämlich ist kaum etwas bekannt. Vermutlich ist er vom Stamm der Skythen. Geboren wird er um 370 nach Christus als Spross einer adeligen Familie irgendwo im Gebiet der Donau. Mit 20 oder 24 Jahren wird er zum Anführer der Westgoten – so lautet der Sammelbegriff der Römer – erhoben. Bald darauf steht er als Heerführer in römischem Dienst. Immer wieder wird er abtrünnig, zieht mit seinen Truppen in ständig wechselnder Mannstärke auf dem Balkan, in Griechenland und im Alpenraum umher, raubt und brandschatzt. Im Jahr 408 steht er zum ersten Mal vor den Toren Roms. Zwei Jahre später gelingt es ihm, in die ewige Stadt einzudringen, wo seine Truppen morden und plündern.

Die Eroberung Roms versetzt die christliche Welt in einen Schockzustand. Daran ändert auch nichts, dass Alarich selbst christlich ist. Politisch und militärisch hat die barbarische Übernahme allerdings keinerlei Bedeutung: Der römische Kaiser hat nicht in Rom, sondern in Ravenna sein Domizil. Auch hat Alarich keinerlei Lust, in der Stadt zu bleiben, sondern zieht noch im Eroberungsjahr 410 nach Cosenza weiter, wo er angeblich, mit enormen Schätzen, im Fluss Busento begraben wird.Bereits das späte Mittelalter stilisiert Alarich zum nationalen Helden und frühen Deutschen. Im Nationalsozialismus wird er zum Germanen, der auf der Suche nach Lebensraum in Rom ein neues Reich errichten will. Damit ereilt ihn posthum das gleiche Schicksal wie den Bezwinger römischer Legionen Arminus.

Stand: 12.06.10