14. Mai 2010 - Vor 25 Jahren: Kirche stürzt nach Tiefflügen von Düsenjägern ein

Stichtag

14. Mai 2010 - Vor 25 Jahren: Kirche stürzt nach Tiefflügen von Düsenjägern ein

Bauer Josef Strobl wischt sich über die Stirn. Den ganzen Morgen lang hat er auf dem Feld gearbeitet - begleitet von Tiefflug-Lärm. Das Feld liegt im Nordosten des bayerischen Weilers Weipertshausen am Ostufer des Starnberger Sees. Bauer Strobel blickt hinauf zum Wahrzeichen seines Dorfes: zur kleinen Barock-Kirche St. Koloman, die 1608 auf dem Hügel erbaut wurde.

Nur die Sakristei bleibt stehen

Kurz nach 14.30 Uhr überfliegen drei Düsenjäger im Tiefflug den Kirchenhügel und durchbrechen die Schallmauer mit einem ohrenbetäubenden Knall. Kurz darauf passiert es: "Erst hat es angefangen zu rieseln und zu knistern", erinnert sich Maurer-Polier Reinhold Magerl, der gerade an der Kirche arbeitet. Plötzlich sackt das Deckengewölbe mit der Stuckdecke ein, dann brechen die Seitenwände und die Giebelwand mit dem sechs Meter hohen Turm ein. "Wie ein Kartenhaus ist alles zusammengekracht", sagt der Polier, der sich in allerletzter Sekunde in Sicherheit bringen kann. Bauer Strobl sieht eine große Staubwolke aufsteigen, die die Kirche komplett einhüllt. Als sich der Staub legt, steht nur noch die Sakristei.

Ursache nicht endgültig geklärt

Haben tatsächlich die Tiefflieger die Kirche zum Einsturz gebracht? Erst einige Tage vor diesem 14. Mai 1985 hatten der Polier und seine Kollegen damit begonnen, die Kirche zu renovieren. Nach Aussage des Erzbischöflichen Ordinariats in München sei das Gotteshaus nicht baufällig gewesen. Bei der Sanierung sei es lediglich um eine Entfeuchtung des Gemäuers und Reparaturen kleinerer Schäden im Chor und Dachgestühl gegangen. Das Bundesverteidigungsministerium erklärt: "Überschall-Flüge innerhalb der befohlenen Parameter verursachen keine Schäden am Boden." Sollte dennoch irgendwo ein Fenster zittern, sei es nicht sachgemäß eingesetzt worden. Es bestehe der Verdacht, die Kirchen versuchten ihre maroden Gebäue auf Kosten der Militärs zu sanieren. Das Ministerium teilt außerdem mit, es habe sich nicht um deutsche Maschinen gehandelt. Die Alliierten ermitteln ebenfalls - Ergebnisse werden aber nicht bekannt. Die Ursache des Einsturzes wird nie endgültig geklärt.Fakt ist: Während des Kalten Krieges gibt es in der Bundesrepublik sieben Tiefflugzonen, in denen Militärmaschinen in einer Höhe zwischen 75 und 150 Metern übers Land donnern dürfen. Mitte der 1980er Jahre werden über West-Deutschland jährlich 87.000 Tiefflüge geflogen - rund 30.000 davon sind Einsätze der Bundesluftwaffe.

Stand: 14.05.10