09. März 2010 - Vor 50 Jahren: TV-Werbung im DDR-Fernsehen startet

Stichtag

09. März 2010 - Vor 50 Jahren: TV-Werbung im DDR-Fernsehen startet

DDR in den 1970er Jahren: In der "Schwarzen Pumpe", einem Industriegebiet in der Lausitz, gibt es zu wenige Arbeiter für das Braunkohle-Veredlungswerk. Deshalb zeigt das Ostfernsehen einen Werbespot: "Kommt zu uns." Angepriesen wird "Deine goldene Zukunft". Zu sehen sind die Betriebs-Poliklinik, ein Spielplatz und ein angegliedertes Neubaugebiet. Ein Blick ins Wohnzimmer von Werbe-Familie Keschel zeigt sogenannte realsozialistische Verhältnisse: Die Mutter, eben noch in weißem Kittel und mit Klemmbrett vor allerlei elektrischem Gerät im Betrieb, sitzt am Tisch, ein Kind auf dem Schoß. Der Vater liest derweil die Titelseite der "Lausitzer Rundschau", der SED-Zeitung im Bezirk Cottbus. Zum Schluss regt der Werbefilm an, gleich die Bewerbungsunterlagen loszuschicken: "Die Werbebüros in den Bezirken geben weitere Auskunft."

Die erste Werbesendung im "Deutschen Fernsehfunk" (DFF) startet am 9. März 1960: Sie heißt "Tinas Tele-Tipps" und wird bald umbenannt in "Tausend Tele-Tipps". Ausgestrahlt wird sie zunächst einmal, später sechs Mal wöchentlich: Werbespots, garniert mit kurzen Trickfilmen, die besonders Kinder ansprechen. Dazu Hinweise wie "Bitte Schnee einplanen", aber auch Werbefiguren wie der "Minol-Pirol", der Autofahrern Tipps gibt. "Minol" ist die Benzinmarke in der DDR. Die Werbung umfasst auch politische Propaganda, also tendenziöse Erziehung für Erwachsene. Geworben wird etwa für die Zeitschrift "Armee-Rundschau" aus dem "Militärverlag": "Die Armee-Rundschau ist so toll. Und die Nationale Volksarmee sowieso."

Werbung im DDR-Sozialismus - auf Dauer kann das nicht gut gehen. Zumal sich die eigentliche Werbung kaum von der Westwerbung der damaligen Zeit unterscheidet. Bald wird die Produktwerbung in den "Tausend Tele-Tipps" weniger, der vermeintliche Erziehungsanteil dafür größer. Die letzte Sendung wird am 15. Februar 1976 ausgestrahlt, weil im Jahr zuvor Werbung in der DDR gesetzlich verboten worden ist. Insgesamt hat die "Hauptabteilung Werbefernsehen" des DFF rund 5.500 Werbefilme aller Art produziert.

Stand: 09.03.10