08. März 2010 - Vor 60 Jahren: Der VW Bulli geht in Serie

Stichtag

08. März 2010 - Vor 60 Jahren: Der VW Bulli geht in Serie

1950 schließt der Generaldirektor des Wolfsburger Volkswagenwerks Heinrich Nordhoff eine Marktlücke. Es ist die Zeit des frühen Wirtschaftswunders. Die Menschen brauchen Steine und Zement, Milch, Brot und Gemüse, Fernseher und Möbel. Aber die Handwerker, Elektriker, Lebensmittelhändler, Bäcker und Wäschereibesitzer haben kein Vehikel, um ihre Waren zum Kunden zu transportieren. In nur zwei Jahren lässt Nordhoff auf der Grundlage des VW Käfers einen Kleintransporter entwickeln, der in der Folgezeit läuft und läuft und läuft: der VW Bus oder, im Volksmund, VW Bulli.

Den Mini-Lastwagen gibt es schon bald als Kasten- und Pritschenwagen, mit ausklappbarer Verkaufstheke, als Kühltransporter, Feuerwehrfahrzeug und Polizeigefährt. In den sechziger Jahren ist sogar ein rollendes Postamt mit Schalter und Briefmarkenautomat unterwegs. Zum Verkaufsschlager allerdings entwickelt sich der Bulli erst, als VW eine Busversion auflegt, deren Schmuckstück – der "Sambabus" – Chromleisten, zweifarbige Lackierung und sage und schreibe 23 Fenster hat. Mit ihm holen Hotels gern ihre Gäste vom Bahnhof ab. Gleichzeitig wird er zum Vorbild der Firma Westfalia aus Rheda Wiedenbrück, die in den Kleintransporter eine maßgeschneiderte Campingausrüstung integriert. 1959 baut Westfalia bereits den tausendsten VW-Bus zum Camper um, zunächst allerdings nur für den Export in die USA. Hier wird sich später nicht zuletzt die Flower-Power-Generation mit dem Gefährt ihren Traum von grenzenloser Freiheit erfüllen.
1954 beschließt Nordhoff , die Produktion des VW Busses auszulagern. Wegen der zentralen Lage und der verkehrstechnischen Anbindung erhält Hannover den Zuschlag für ein eigenes Bulli-Werk mit 5.000 Arbeitern. 1956 rollen hier die ersten Transporter vom Band. Später errichtet VW auch in Brasilien, Mexiko, Südafrika und Australien Montagewerke.

In den frühen siebziger Jahren spendiert VW seinem Bus eine Rundumerneuerung. Er hat zwar das gleiche Fahrgestell, aber einen hellen Innenraum, eine kräftige Heizung, eine ungeteilte Frontscheibe und eine serienmäßig mitgelieferte Schiebetür. 1972 rollt der 260.000. Bulli in Hannover vom Band. Erst mit der Ölkrise 1973 wendet sich das Blatt: Die Bestellungen gehen drastisch zurück, der amerikanische Exportmarkt bricht durch den Verfall des Dollar ein. Auch drängen Konkurrenten auf den Markt. 1980 wird die Produktion des rundlichen VW Busses in Deutschland eingestellt - modernisierte Nachfolger produziert VW noch immer. Heute brettern schätzungsweise noch etwa 2.500 der klassischen Busse über deutsche Straßen.

Stand: 08.03.10