08. April 2010 - Vor 20 Jahren: TV-Serie "Twin Peaks" wird erstmals ausgestrahlt

Stichtag

08. April 2010 - Vor 20 Jahren: TV-Serie "Twin Peaks" wird erstmals ausgestrahlt

"Twin Peaks" beginnt wie eine dieser gewöhnlichen Krimiserien, die schon tausendfach im Fernsehen gezeigt wurden: Eine in Plastikfolie gewickelte Leiche wird aus dem Fluss gezogen. Das tote Mädchen ist die 17-jährige Laura Palmer, die beliebteste Blondine der örtlichen High-School. Der Sheriff ermittelt; das FBI schickt seinen Spezialagenten Dale Cooper – gespielt von Kyle MacLachlan – an den Ort des Verbrechens.

Okkulte Momente in der Seifenoper

Doch bereits in der ersten Folge, ausgestrahlt vom US-Fernsehsender ABC am 8. April 1990, offenbart die langsame, rätselhafte Bildsprache: Etwas Mysteriöses liegt in Twin Peaks verborgen. Folge für Folge blickt der Zuschauer mit dem FBI-Agenten Dale Cooper hinter die Fassade der Kleinstadt – in ein Dickicht aus Leidenschaften und Geheimnissen. Nahezu jeder Bewohner ist verdächtig, auch das vermeintlich brave Mordopfer selbst scheint ein Doppelleben geführt zu haben. In Passagen, die dem gewohnten Muster der Seifenoper folgen, brechen surreale und okkulte Momente ein, die den Zuschauer irritieren. In einer rätselhaften Szene fangen die Protagonisten an, wie Hunde zu bellen, verschiedene Figuren haben Visionen, mysteriöse Botschaften wie "Die Eulen sind nicht was sie scheinen" tauchen auf. Zusetzlich enthüllt die finstere Musik von Angelo Badalamenti das idyllische Holzfällerstädtchen nahe der kanadischen Grenze als unheimlichen Ort. "Twin Peaks" ist die erste Mystery-Serie der Fernsehgeschichte und Vorbild für viele weitere Serien dieser Art wie "Akte X" und "Lost".

"Welt voller Geheimnisse"

Treibende Kraft hinter der Serie ist der Regisseur David Lynch, von Feuilletons und Cineasten gelobt für Filme wie "Der Elefantenmensch" und seit "Blue Velvet" und "Der Wüstenplanet" auch einem breiteren Publikum bekannt. Lynch lässt viele Episoden seiner Filme in Traumwelten spielen, die von der Realität losgelöst sind. "Menschen sind wie Detektive, sie mögen Geheimnisse. Und die ganze Welt ist voller Geheimnisse", sagt er in einem Interview.

"Teuflisch schizoider Trip"

Für den Sender ABC ist die Serie ein Wagnis, zumal Lynch weitgehend freie Hand hat und im Verlauf immer merkwürdigere Figuren auftreten: ein transsexueller FBI-Agent (gespielt vom späteren "Akte X"-Star David Duchovny), ein Riese, ein tanzender Zwerg, der rückwärts spricht. Doch die Einschaltquoten sind grandios, Fernsehkritiker begeistert. Das US-Wochenmagazin "Newsweek" schreibt kurz vor dem Serienstart, "Twin Peaks" sei ein "teuflisch schizoider Trip" und löse beim Zuschauer den "Schock des Nochniegesehenen aus". Und tatsächlich: Die Fans lieben "Twin Peaks" und seine verschrobenen Bewohner, und rätseln Woche für Woche, wer wohl der Mörder von Laura Palmer sein könnte. Nach 16 Folgen lösen die Macher das Geheimnis auf – und damit ist der Reiz der Sendung verpufft. Weitere Folgen werden inszeniert, doch die Serie verstrickt sich in verworrene Handlungsstränge, driftet ganz ins Übernatürliche ab. Die Zuschauer wenden sich langsam ab. Nach 30 Folgen ist im Juni 1991 Schluss.

Stand: 08.04.10