12. März 2010 - Vor 60 Jahren: Heinrich Mann stirbt in Santa Monica

Stichtag

12. März 2010 - Vor 60 Jahren: Heinrich Mann stirbt in Santa Monica

Im März 2010 kommt mit "Henri 4" eine der teuersten Produktionen der deutschen Kinogeschichte in die Lichtspielhäuser. Der Film erzählt vom Versuch des französischen Königs Heinrich IV., den blutigen Glaubenskriegen in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts ein Ende zu setzen. Die Vorlage stammt vom Schriftsteller Heinrich Mann. Geschrieben hat er seine Romane "Die Jugend des Königs Henri Quatre" und "Die Vollendung des Königs Henri Quatre" in den dreißiger Jahren im französischen Exil. Die historische Gestalt des friedliebenden Königs, der zum Zeichen der Völkerverständigung mehrmals die Religion wechselt, ist in den zwei Romanen Manns bewusst als Gegenfigur zu Adolf Hitler konzipiert.

Geboren wird Heinrich Mann als erster Spross einer Kaufmannsfamilie im März 1871 in Lübeck. Sein Bruder Thomas kommt  vier Jahre später zur Welt. Beide wird Zeit ihres Lebens eine dichterische Hassliebe verbinden. 1891 gibt Heinrich Mann mit "Haltlos" sein Literaturdebüt. Weltberühmt wird er mit seinem Roman "Professor Unrat oder Das Ende eines Tyrannen" (1905), der unter dem Titel "Der blaue Engel" mit Marlene Dietrich in der Titelrolle verfilmt wird, gefolgt von "Der Untertan" (1914), einer satirischen Abrechnung mit Militarismus und Obrigkeitsdenken des Wilhelminismus. Seine literarisch schwächste Zeit hat Mann ausgerechnet auf dem Höhepunkt seines Erfolgs, in den zwanziger Jahren. Romane wie "Die Jugend des Königs Henri Quatre" (1935) und "Die Vollendung des Königs Henri Quatre" (1938) beenden die literarische Durststrecke. Da befindet sich Mann bereits auf der Flucht vor den Nationalsozialisten, die ihn zunächst nach Frankreich und dann über Spanien und Portugal 1940 in die USA führt. 
In Romanen wie "Königliche Hochzeit" (1951) wird Thomas Mann das Alter Ego seines Bruders gleich mehrmals sterben lassen. Heinrich begeht in "Henri Quatre" in Gestalt des homosexuellen Heinrich III. ebenfalls literarischen Brudermord. Überhaupt bilden die beiden Manns ihren Stil und ihre Grundeinstellung im gegenseitigen, auch öffentlich ausgetragenen Konkurrenzkampf aus. Politisch illustriert der erste Weltkrieg die Gegensätze: Während sich Thomas Mann national gesinnt und kriegsbegeistert zeigt und ansonsten die Kunst des Bürgers übers Politische stellt, fordert Heinrich offen Mut zum Engagement. Geist und Tat sind für ihn eine Einheit, die nichts trennen kann. Gemeinsam mit Käthe Kollwitz und Albert Einstein etwa ruft er zu einem Anti-Hitler-Bündnis von Kommunisten und Sozialdemokraten auf: vergeblich.

Fünfzehn Jahre nach seiner Flucht will die Ostberliner Dichterakademie den jetzt 79-Jährigen zu ihrem Präsidenten machen. 1950 stirbt Heinrich Mann, kurz vor seiner Rückkehr, in Santa Monica. Lange Zeit nahm die Forschung den 12. März als Todesdatum an. Laut Recherchen der Heinrich-Mann-Gesellschaft zum 60. Todestag fand sich in der FBI-Akte des Autors jedoch ein ärztlicher Bericht, der als Todeszeitpunkt den 11. März um 23 Uhr 28 nennt.

Stand: 12.03.10