26. Mai 1965 - "Spiel ohne Grenzen" startet in der ARD

Stichtag

26. Mai 1965 - "Spiel ohne Grenzen" startet in der ARD

Was für eine unvergessliche Bildschirmpremiere: Nichts, aber wirklich gar nichts funktioniert. Nur die Erkennungsmelodie sei genau wie bei den Proben gewesen, erinnert sich Camillo Felgen: "Danach ging alles drunter und drüber." Am 26. Mai 1965 überträgt der WDR zum ersten Mal das Eurovisions-Spektakel "Spiel ohne Grenzen". Teams aus fünf, später sogar acht europäischen Kleinstädten treten in sportlich herausfordernden Freiluft-Wettkämpfen gegeneinander an. Doch das Auftakt-Duell, bei dem Mannschaften aus Warendorf und dem französischen Dax je zur Hälfte in beiden Städten kämpfen, bringt das noch junge Live-Fernsehen arg an seine Grenzen. Ton und Bild kommen selten aus derselben Stadt, eine planlose französische Regie hetzt durchs Programm, löst noch seltener auf, wer eigentlich gewonnen hat und in Warendorf agiert mit Stuntman Arnim Dahl ein hoffnungslos überforderter deutscher Spielleiter, der bald nur noch nervöse Hilferufe absetzt.

Eine Kuh im Höhenrausch

Als während eines Trampolinspiels in der Stierkampfarena von Dax eine durchgehende Kuh einen Kandidaten aufs Korn nimmt, ist das Chaos perfekt. Der Attackierte bringt sich durch einen kühnen Sprung auf das Trampolin in Sicherheit, doch das Hornvieh springt regelwidrig hinterher und hüpft nun auf der Sprungmatte herum. Kommentator und Dolmetscher Camillo Felgen, im Hauptberuf Chefsprecher von Radio Luxemburg, erleidet am Mikrofon einen derart sympathisch-mitreißenden Lachanfall, dass ihm ab Folge zwei die Spielleiterrolle des völlig entnervten Arnim Dahl übertragen wird. Entgegen den unisono vorgetragenen Verrissen der Fernsehkritiker entwickelt sich "Spiel ohne Grenzen", stets reich an Pleiten, Pannen und unfreiwilliger Komik, zum echten Straßenfeger. Von 1968 an kommentiert Felgen die oft halsbrecherischen Spiele zusammen mit einem jungen Kollegen namens Tim Elstner, der später mit dem Vornamen Frank bei "Wetten, dass"-Karriere macht.

Ende als "hausgemachte Pleite"

125 Folgen lang präsentiert Camillo Felgen "Spiel ohne Grenzen" mit der Grandezza eines Zirkusdirektors, bevor er 1973 zurücktritt. Im Jahr darauf gibt auch Tim Elstner die Leitung der inzwischen als "Schmierseifen-Olympiade" belächelten Show ab. Ihre Nachfolger werden in rasch wechselnder Folge Erhard Keller, Marie-Luise Steinbauer sowie schließlich Manfred Erdenberger und Sportschau-Mann Heribert Faßbender. 1980, nach insgesamt 209 Ausgaben, steigt der WDR und damit Deutschland unter großem Bedauern einer treuen Fangemeinde aus der teuren Eurovisions-Show aus. Für Manfred Erdenberger in der kritischen Rückschau eine "hausgemachte Pleite". So startet "Spiel ohne Grenzen" als Flopp und endet mit einem solchen - denn ein Wiederbelebungsversuch 1989 mit Moderator Michael Schanze und ausschließlich deutschen Städten hat nur noch mäßigen Erfolg. Nach nur vier Ausgaben ist endgültig Schluss mit "Spiel ohne Grenzen".

Stand: 26.05.10