24. April 2010 - Vor 115 Jahren: Joshua Slocum startet zu Solo-Weltumseglung

Stichtag

24. April 2010 - Vor 115 Jahren: Joshua Slocum startet zu Solo-Weltumseglung

"Es war an einem Mittwintertag des Jahres 1892 in Boston", erinnert sich Joshua Slocum später in seinem Reisebericht "Allein um die Welt". Der Kapitän mit über 20 Jahren Berufserfahrung in der Handelschifffahrt ist damals gerade arbeitslos, als ihm ein befreundeter Walfang-Kapitän ein heruntergekommenes Schiff schenkt. Slocum baut es zu einem elf Meter langen und vier Meter breiten hölzernen Zweimaster um: die "Spray" ("Gischt"). "Als der Wind am Morgen des 24. April 1895 günstig war, lichtete ich um die Mittagszeit den Anker, setzte Segel und schlich mich von Boston fort. Ich hatte beschlossen, eine Reise um die Welt zu machen", schreibt der damals 51-Jährige.

Stürme, Mastbrüche, zerfetzte Segel

Slocums Schiff ist so konstruiert, dass es - bei fest gebundenem Steuerruder - alleine Kurs halten kann. Der vierfache Familienvater, der am 20. Februar 1844 im kanadischen Neuschottland geboren wurde, trotzt heftigen Stürmen und übersteht Mastbrüche sowie zerfetzte Segel. Auch die Einsamkeit scheint ihm nichts ausgemacht zu haben: "Ich hatte nichts am Koch auszusetzen und es wurde die Regel, dass auf der ganzen Reise der Koch auch nichts an mir auszusetzen fand", notiert Slocum in seinem als Buch erschienenen Reisebericht . "Nie hat sich eine Mannschaft so gut miteinander vertragen." Die Anekdote, wie er mit an Deck ausgelegten Reißzwecken nachts angriffslustige Feuerland-Indiander abwehrt, ist allerdings erfunden - wie er später zugibt.

Empfang bei Roosevelt

Gut drei Jahre und rund 46.000 Meilen nach seinem Start zur ersten Solo-Weltumseglung legt die "Spray" am 27. Juni 1898 wieder in der Nähe von Boston an. Slocum wird gefeiert und US-Präsident Theodore Roosevelt empfängt ihn. Der Heimkehrer vermarktet seine Reiseerlebnisse nicht nur in einem Buch, sondern auch in Vorträgen und Zeitungsartikeln. Mit seiner Familie will er sich auf einer Farm auf einer Neuengland-Insel zur Ruhe setzen, doch die See lässt ihn nicht los. Er ist weiterhin als sogenannter Einhand-Segler unterwegs. Am 14. November 1909 bricht der 65-Jährige mit seiner "Spray" in Richtung Südamerika auf, um nach Venezuela an die Mündung des Orinoko zu segeln. Dort kommt Slocum jedoch nie an, er bleibt auf See verschollen.

Stand: 24.04.10