03. Februar 2010 - Vor 60 Jahren: Kinopremiere der Neuen Deutschen Wochenschau

Stichtag

03. Februar 2010 - Vor 60 Jahren: Kinopremiere der Neuen Deutschen Wochenschau

Auf der Leinwand dreht sich zu dramatischer Musik die Weltkugel durch das Bild: "Sie sehen heute seit 17 Jahren die erste unabhängige, unkontrollierte Wochenschau in Deutschland". Am 3. Februar 1950 kommt die erste Ausgabe der "Neuen Deutschen Wochenschau" in die Kinos. Sie tritt ein schweres Erbe an. Die Nationalsozialisten hatten die Wochenschau als Propaganda-Instrument benutzt, nach dem Zweiten Weltkrieg diente sie den Alliierten als Mittel zur Umerziehung.

Der erste NDW-Chefredakteur Heinz Kuntze-Just verspricht den deutschen Kinogängern zum Start der Wochenschau eine radikale Umkehr: "Jeden Gedanken an eine Zweckdarstellung, Belehrung oder Erziehung lehnen wir grundsätzlich ab. Mit der Wochenschau ist keine Politik zu machen." Ein hehrer Ansatz, der allerdings von vornherein zum Scheitern verurteilt ist, denn die NDW GmbH befindet sich zu 100 Prozent im Besitz des Bundes. Die oberste Programmgewalt liegt somit letztlich bei Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU), der die Medien stets als verlängerten Arm der Staatsführung in die Pflicht zu nehmen versucht. 1961 kann erst das Bundesverfassungsgericht Adenauer daran hindern, das neue Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) als Kanzler-hörigen Staatssender zu begründen. In den Wochenschau-Ausgaben allerdings tritt die Politik schon bald immer mehr zugunsten bunter Themen in den Hintergrund. "Die Leute mussten was zu lachen haben", erinnert sich die damalige Wochenschau-Cutterin Jutta Pernice.

Besonders gefragt beim Publikum sind bewegte Bilder vom Sport – sehr zur Freude der Wochenschau-Macher, denn nirgendwo sonst lassen sich so kostengünstig packende Berichte drehen wie bei Fußballspielen und anderen Sportereignissen. Trotzdem kostet eine NDW-Ausgabe rund 30.000 Mark und rentiert sich erst bei mindestens 1.000 Abonnenten-Kinos. Große Gewinne fährt die Neue Deutsche Wochenschau GmbH nie ein – und mit dem Aufstieg des Fernsehens beginnt bereits Ende der 50er Jahre der Abstieg. Statt Geld für ein Wochenschau-Abo auszugeben, nehmen die Kinobetreiber lieber bezahlte Werbung ins Programm auf. Im Juni 1977 schließlich wird die unwiderruflich letzte Ausgabe der Wochenschau an die Filmtheater ausgeliefert. Doch das NDW-Archiv, das auf zwölf Millionen Meter Film über 7.000 Stunden Zeitgeschichte enthält, wandelt sich zur Goldgrube. Kaum eine TV-Geschichtsdokumentation kann heute auf Wochenschau-Material verzichten. 14 Euro pro Sekunde zahlt ein Fernsehsender für die einmalige Ausstrahlung. Mehr als 6.000 Beiträge sind inzwischen auch im Internet abrufbar.

Stand: 03.02.10