11. Oktober 2010 - Vor 50 Jahren: Videorecorder wird patentiert

Stichtag

11. Oktober 2010 - Vor 50 Jahren: Videorecorder wird patentiert

Ende November 1956 bekommen die Kalifornier an der Westküste zum ersten Mal die Fernsehnachrichten mit Douglas Edwards nicht am Nachmittag, sondern zum Abendessen serviert. Die Neuerung ist eine kleine Sensation – immerhin sitzt Edwards in New York im Studio. Dass die Nachrichten trotz des Zeitunterschieds zur gleichen Uhrzeit laufen können, liegt an einem neuen Zauberkasten: dem "Video-Tape-Recorder", den die Ingenieure der Firma Ampex in jahrelanger Forschungsarbeit entwickelt haben. Er macht es endlich möglich, Live-Aufnahmen mit Hilfe von Magnetbändern und einer "Quadruplex" genannten Technik aufzuzeichnen. Der Nachrichtensender CBS ist der erste Kunde.

Groß wie ein Kleiderschrank

In Deutschland kauft der Südwestfunk 1958 den ersten Videorecorder von Ampex. Er kostet 400.000 D-Mark und ist groß wie ein Kleiderschrank. Videokassetten sind noch nicht erfunden: beim "Video-Tape-Recorder" wird das Aufnahmematerial auf Spulen gewickelt, die je nach Sendedauer Wagenradgröße erreichen. Zudem sind Magnetbänder noch Mangelware: Das einzige in Serie produzierte Exemplar komt aus den USA, ist 800 Meter lang, zehn Kilo schwer und kostet 300 Dollar.

Am 11. Oktober 1960 lässt sich die Firma Ampex ihr Verfahren magnetischer Bildaufzeichnung patentieren. Noch im selben Jahr tauscht sie ihr Wissen mit japanischen Unternehmen aus, die ebenfalls seit langem an einer Aufnahmetechnik zum Konservieren von Fernsehprogrammen feilen. Firmen wie Sony oder JVC aber haben von Anfang an nicht die Sender, sondern die Endverbraucher im Blick: Jeder Zuschauer könnte ein zukünftiger Kunde sein.

Nicht der Beste setzt sich durch

1966 werden die ersten Heimrecorder, die noch 7.000 Euro kosten, in Deutschland vorgestellt. Aber erst Mitte der siebziger Jahre ist die Technik der Geräte dermaßen ausgefeilt, dass sie nicht nur handlicher, sondern auch billiger werden können. Verschiedene Systeme mit unterschiedlichen Videokassetten entstehen. Sony kommt mit Betamax auf den Markt, JVC mit VHS und Phillips mit Video 2000. Letzteres hat dank Wendekassetten eine doppelt so lange Aufnahmedauer - und die beste Bildqualität.

Trotzdem macht auch in Deutschland VHS von JVC das Rennen. Geschickt hat der japanische Hersteller Lizenzen an die großen Fernsehhersteller verkauft: Als 1978 ihr erster eigener VHS-Recorder auch in Deutschland in den Handel kommt, offerieren bereits mehrere Markenfirmen wie Saba und Nordmende Modelle des Systems. Im Gegensatz zu anderen Herstellern hat JVC auch nichts gegen Pornos: ein ganzer Industriezweig hält so Einzug in die Wohnzimmer.

Dank der heimischen Videorecorder boomen seit Mitte der achtziger Jahre auch die Videotheken, die zunächst Karate-, Horror- und Pornofilme, später dann auch Kinoproduktionen an ihre Kunden verleihen. Der Niedergang des Videorecorders kommt Ende der neunziger Jahre mit der Erfindung der DVD. Die Geräteproduzenten setzen jetzt auf digitale Medien.

Stand: 11.10.10